Nachhaltigkeit, der ökologische Fußabdruck, Entschleunigung und Neugier sind Themen, die man oft vernimmt, wenn man mit Dauerreisenden über ihre Motive spricht. Dabei sitzen sie dann oft vor alten Karren, manche sogar mit H-Kennzeichen, der Oldtimerkennung, andere vor einfachen Rostlauben: Widerspricht das nicht vollends dem ökologischen Anspruch?

Der Dieselskandal hat Fahrer von alten VW T2 bis T4, LTs und Mercedesbussen in den Augen der Gesellschaft weiter stigmatisiert, als ewig Gestrige, unreflektierte Romantiker oder schlicht als Umweltverbrecher. Stimmt das? Der Autolobbyist, die Bundesregierung und sogar einige Grünenpolitiker stimmten ad hoc zu. Doch unabhängig von der individuellen Ästhetik, dem Lebensgefühl und manchmal auch der emotionalen Verbundenheit zu dem Auto mit Namen, „Susy“, „Green Bull Wall“, „White Ball Lightning“ oder „Elvira“ erfüllen unsere Oldtimer eine Menge mehr an ökologischen Ansprüchen als zunächst vermutet. Die entscheidenden Faktoren sind hierbei Produktion nebst Zulieferern und Produktionswegen sowie der Faktor Zeit. Es gab einst in grauer Vorzeit, also etwa den 1980er Jahren eine Formel, die sich auf Waschmaschinen anwenden ließ und auch für Autos: Eine Waschmaschine hat eine Lebensdauer von acht Jahren. Miele machte da eine Ausnahme, die Maschinen liefen Jahrzehnte, kosteten in der Anschaffung das Doppelte bis Dreifache und waren nie in der besten Energieeffizienzklasse die Spitzenreiter – zumindest nicht, wenn sich der durchschnittliche AEG-Käufer seinen dritten Öko-Lavamaten kaufte, während der Miele-Investor noch sein etwas rundlich wirkendes und ziemlich vergilbtes Modell laufen lies.

Nicht nur ist in den Augen eines jeden Autohändlers ein acht Jahre altes Auto eine Schrottkarre, sondern eben auch eine Umweltkatastrophe, schlucken unsere zum Teil Ü30er doch gerne zwischen 10 und 18 Liter Diesel und brauchen alle paar Tausend Kilometer auch noch einen Liter Öl. Eine einfache Formel hilft an dieser Stelle all jenen auf die Sprünge, die mit Dimensionen wie Zeit oder Distanz nichts anfangen können. Sie gilt solange es Autoproduktion gibt, hat sich aber durch die E-Fahrzeuge und die notwendige Batterieproduktion aktuell noch deutlich verschlechtert: Zwei Drittel des Energie- und Wasserverbrauchs eines Autos findet während dessen Produktion statt – ein Drittel im Laufe der durchschnittlichen Lebensdauer eines Autos, also der Nutzung. Diese Ökobilanz verbessern wir deutlich mit jedem Jahr, in dem wir unsere alte Drecksschleuder fahren, mit jedem Kilometer, den wir zurücklegen und vor allem mit jeder Verzögerung des Kaufes eines Neuwagens. Wir fahren also nachhaltiger, verkleinern laufend unseren ökologischen Fußabdruck, entschleunigt sind wir auch und befriedigen unsere Neugier, die Welt zu erkunden, mit etwas mehr Stil als unsere Plastikauto fahrenden Kritiker.

Vor dem Dieselskandal, dessen Verursacher, die Autoindustrie, den Schaden ja nicht korrigieren muss, standen die Benziner wegen Ihrer Ausstöße in der Kritik. Und grundsätzlich ist der Individualverkehr in seiner gegenwärtigen Form eine massive Belastung der Umwelt, die man bisher nur durch Verzicht eindämmen kann. Wer aber glaubt, mit einem E-Fahrzeug alles richtig zu machen, für den kommt der Strom aus der Steckdose, die Plastikteile seines Autos bestehen nicht aus Plastik, das aus Erdöl produziert wird und aus China mit schwerölangetriebenen Schiffen nach Europa gekarrt wird, ebenso wie sämtliche Bestandteile der Litium-Ionen-Batterien, die aus aller Welt herangekarrt werden.

Ein Auto ist ein Auto, ist ein Auto. Es zu nutzen, bedeutet der Umwelt Schaden zuzufügen. Das ist nicht zu banalisieren. Und doch begreift fast jeder, dass der Einweg- Coffee-To-Go-Becher aus kunststoffbeschichteter Pappe mit Plastikdeckel eine ökologische Katastrophe ist, wenn man ihn mit Großmutters Kaffeepott aus Porzellan vergleicht und eben auch ohne den Vergleich.