Welche Fußspuren hinterlasse ich auf dieser Welt?

Gedanken zu einem nachhaltigen Leben

Roxanna hat mich eingeladen, hier meine Gedanken und Erfahrungen zu einem nachhaltigen Leben mit euch zu teilen. Bevor ich einfach drauf los schreibe, habe ich mir ihren Blog susy.world genauer angesehen. Roxanna schreibt sehr persönlich. Ich fühle mich beim Lesen, als würde ich im Tagebuch einer Reisenden, eines Freigeistes, lesen. Umso mehr freut es mich, dass Roxanna mir erlaubt einen Eintrag in ihrem Tagebuch zu hinterlassen :-).

Nachhaltigkeit liegt im Trend

Was bedeutet es nun nachhaltig zu leben? Diese Frage ist nicht einfach zu beantworten. Auch weil viele ihren Teil vom “Nachhaltigkeits-Kuchen” abhaben wollen.

Das MSC-Siegel will für nachhaltigen Fischfang stehen. H&M wirbt mit dem Recycling alter Kleidung. Elektroautos schonen die fossilen Brennstoffe. Später komme ich nochmal darauf zurück, ob dem wirklich so ist.

Ich könnte die Liste durchaus noch erweitern. Was ich euch damit vor Augen führen will, ist die schon fast inflationäre Verwendung des Labels “Nachhaltigkeit”. Die Übergänge von wirklich nachhaltigen Handeln (Umweltschutz, Tierschutz, Ressourcenschonung…) hin zu einer reinen Marketing-Hülse sind oft fließend.

Mein Lebensstil: vegan, zero waste, minimalistisch, konsumkritisch

Was meine ich, wenn ich sage, dass ich versuche möglichst nachhaltig zu leben?

Meine größte Motivation für einen nachhaltigen Lebensstil ist definitiv meine Tochter. Ich möchte ihr eine Welt hinterlassen, die noch lebenswert ist und nicht kurz vor dem Umweltkollaps.

Meine Art zu leben setzt sich aus vier Komponenten zusammen:

  • Veganismus
  • Zero waste
  • Minimalismus
  • Konsumkritik

Diese vier Säulen sind zentral für meine persönliche Definition eines nachhaltigen Lebens.

Durch den Veganismus lebe ich nicht nur gesünder, sondern ich habe auch gelernt, jedes Lebewesen als denkendes und fühlendes Wesen zu respektieren.

Weil ich versuche so wenig Müll wie es mir möglich ist zu verursachen, achte ich mehr auf die Endlichkeit der Ressourcen dieser Welt und suche Wege diese zu schonen.

Der Minimalismus hängt stark mit meiner zero waste Einstellung zusammen. Dadurch, dass ich bewusst Ressourcen schone, gehe ich auch nicht mehr wahllos einkaufen, sondern überlege mindestens dreimal, ob ich ein neues Kleidungsstück wirklich brauche. Tatsächlich habe ich festgestellt, dass ich viel mehr Dinge besitze als ich wirklich benutze. Anstatt also Neues anzuschaffen, bin ich immer noch dabei meinen Besitz zu reduzieren.

Aus den vorherigen Punkten ist meine konsumkritische Haltung entstanden. Wenn wir im Überfluss leben, sehe ich keinen Grund dafür, dass es bei dem Ist-Zustand an Besitz zu lassen, anstatt immer mehr und immer das Neuste zu kaufen. Das immer neu und immer mehr verbraucht auch Unmengen an Ressourcen.

Für Erdöl lautet die Prognose, dass es in den nächsten 30 bis 40 Jahren aufgebraucht sein wird. Plastik wird auch aus Erdöl gewonnen. 50% des hergestellten Plastiks wird für Wegwerfartikel wie Tüten, Strohhalme, Coffee-to-Go-Becher usw. verwendet. Stimmt euch das nicht nachdenklich?

Nachhaltigkeit versus “Greenwashing”

Kommen wir nochmal auf die Beispiele vom Anfang zu sprechen.

Ein Dokumentarfilm von Wilfried Huismann hat die Schwachstellen des MSC-Siegels aufgedeckt: Schleppnetzfischerei in der Nordsee, Delfine als trauriger Beifang in Mexiko, Haie, die nur für ihre Flossen gefangen werden, oder industrielle Fangflotten, die Tausende Tonnen Fisch auf einer Fahrt fangen. Und dafür wird das MSC-Siegel der nachhaltigen Fischerei ausgestellt.

H&M stellt sich in der Öffentlichkeit gerne als umweltbewusst und nachhaltig dar. Ein Bericht hat letztes Jahr jedoch enthüllt, dass bei H&M tonnenweise Neuware verbrannt wird. Die Ressourcen, die für die Herstellung dieser Kleidung verbraucht werden, sind damit auf Nimmerwiedersehen verloren. Komplett ungenutzt. Das ist Ressourcenverschwendung im ganz großen Stil.

Und nun zu den Elektroautos, die eine ressourcensparende Alternative zu den Verbrennungsmotoren sein sollen. Schließlich wird ja kein Erdöl in E-Autos verbraucht. In Deutschland wird der Strom für die Akkus der Elektroautos noch überwiegend aus Kohlekraftwerken gewonnen. Kohle ist genauso wie Erdöl ein fossiler Brennstoff. Unter diesen Bedingungen sind E-Autos noch nicht nachhaltiger als die anderen 99% der Autos in Deutschland. (Mehr dazu findet ihr hier…)

Dieses so tun, als ob man nachhaltig handelt, ist unter dem Begriff des Greenwashing bekannt geworden.

Zu diesem Thema kann ich euch Werner Bootes neuen Film „The Green Lie/ Die Grüne Lüge“ empfehlen. Darin werden viele dieser „Grünen Lügen“ entlarvt. Ganz besonders die Palmölproblematik wird darin ausführlich beleuchtet.

Wenn euch dieser erste Einblick in das Thema “Nachhaltigkeit” gefallen hat, lasst mir doch einen Kommentar da. Dann berichte ich euch in weiteren Posts gerne ausführlicher über meine einzelnen Säulen eines nachhaltigen Lebens.

Bis dahin macht es gut.

Farah von Greenful Spirit

Zu Greenful Spirit

3 Kommentare

  1. Ein sehr schöner überblick. Ich denke es ist wichtig sich einfach mit dem thema zu beschäftigen und sich nicht von der masse an informationen einschüchtern zu lassen. Und man muss auch gar nicht eigenhändig die welt retten aber jeder kann etwas tun. Diesen druck wegzunehmen hat mir sehr geholfen 😉

    H&m und nike sind die weltweit größten abnehmer für bio baumwolle und haben damit die chance die nachfrage anzukurbeln.
    Und bei elektroautos geht es ja nicht nur darum so zu tun als wäre man öko, sondern auch darum, technologien und infrastrukturen zu entwickeln die langfristig eine alternative zu fossilen brennstoffen darstellen können.
    Es ist halt nichts schwarz und weiß und es gibt nicht nur eine lösung.

  2. Ich finde das einen sehr guten Ansatz. Zwar kann ich, können wir dem nicht allem gerecht werden, müssen mit Frustrationen Leben, die durch wirtschaftliche Schwäche und manchmal Zeitmangel begründet sind, manchmal aber eben auch als Bequemlichkeit zu enttarnen. Ich glaube aber, dass das Wissen um das eigene Verhalten, die Kompromisse einem hilft, manchmal auch einen beschwerlicheren Weg zu gehen und ihn als Erfolg wahrzunehmen.
    Danke!
    Mark

  3. Hallo,

    ich stimme Farah zu, dass eine gute Motivation das Erbe an die Nachwelt ist, wobei das auch ein wenig abschwächt, weil die Welt für die Kinder ist nicht an einem direkt dran. Würde generell näher an den Einzelnen rangehen und es mit Anstand und Respekt seinen Mitbürgern gegenüber verbinden. Seinen Müll überall stehen und liegen zu lassen und sich Ressourcen im Übermaß zu gönnen ist schlichtweg extrem egozentrisch. Andere müssen es ausbaden, also ist es nicht okay.

    Bei den vier Säulen würde ich Veganismus durch „bewussten Umgang mit Ernährung“ ersetzen, da Veganismus ein möglicher Weg ist, der aber nicht der einzig Richtige sein muss. Es muss sich was zum aktuellen System ändern, aber damit man mehr Leute in dieses wichtige Boot holen kann, würde ich die Offenheit für Zwischenwege bewahren. Bei 7 Mrd. Menschen muss ein Konsenz her, der von möglichst Vielen getragen werden kann.

    Zu guter letzt sehe ich noch eine dritte Möglichkeit neben „Nachhaltigkeit versus Greenwashing”, nämlich „zu kurz gedacht“.

    Bsp.: Ein Autobauer sieht seinen Nutzen für die Umsrüstung seiner Autos auf ein neues Energiesystem, er sieht die Kosten und hat höchstwahrscheinlich auch ehrbare Ziele etwas Nachhaltiges zu schaffen. Aber so ein Autoingenieur ist auch kein Supermann, der sich in Geologie, Umwelttheorie etc. top auskennt. Man kann so einem Entwickler auch unterstellen, dass er einfach die Problematik der seltenen Erden etc. nicht erkannt hat.
    Oder die Avocado zeigt auch, dass es plötzlich zu Problemen kommt an die keiner gedacht hat. Ich bin der stillen Hoffnung, dass ein Großteil der Probleme primär von diesem dritten Zweig und nicht von Böswilligkeit kommt.

    Ich würde liebend gern in einer Forschungseinrichtung arbeiten, die solche Prozesse analysiert und optimiert, aber sowas gibt es nicht, weil es rein für das Allgemeinwohl wäre. Also analysiere ich in meinen Grenzen und schreibe hier und da Artikel.

    LG
    Thorsten

Schreibe einen Kommentar

© 2018 Susy

Theme von Anders Norén↑ ↑