Vorwort

Halfway bedeutet “Halbwegs” oder auch “auf halbem Weg” und ist der Titel eines Artikels von Karsten Buckstegge. Ich habe den Gedanken in letzter Zeit oft zitiert, wenn ich mit Leuten über das Thema Nachhaltigkeit gesprochen habe. Aus diesem Grund habe ich Karsten gefragt, ob ich eine Übersetzung anfertigen kann und diese hier im Blog posten darf.

Das Original findet ihr hier: https://medium.com/@karstenbuckstegge/halfway-a007a2e3f7b2

Halfway

Wenn du kannst, laufe bis ins Ziel! Sei vegan, wenn du konsequent genug sein kannst. Mach’ regelmäßig Sport, sei wohltätig, habe keine Vorurteile, sei immer gut gelaunt. Sei alles was du anstrebst.

Aber wenn du das nicht hinbekommst, lass keine Ausrede daraus werden.

Ich habe es mir schon oft selbst gesagt und von anderen gehört: „Ich glaube wirklich, dieses oder jenes zu tun, ist nicht der richtige Weg, aber ich mag es so, also tue ich es trotzdem”. Und das ist in Ordnung.

Wenn Jemand jeden Tag Fleisch isst, weil es ihre Lieblingsspeise ist, dann wird es Derjenigen schwerfallen von heute auf morgen Vegetarierin zu werden. Wenn jemand noch nie etwas Wohltätiges getan hat, dann kann man nicht von ihm erwarten, dass er plötzlich anfängt einen Großteil seines Geldes für einen guten Zweck zu spenden. Ab und zu passiert so etwas – aber nicht besonders oft.

Was aber sehr oft passiert ist, dass Leute gar nicht erst anfangen etwas zu tun, weil das von ihnen gesetzte Ziel außerhalb ihrer Reichweite zu sein scheint.

Vor einiger Zeit war ich mit einem Freund (– ich erinnere wirklich nicht mehr, wer es war) in einem Supermarkt und wir haben Lebensmittel eingekauft. Ich kaufte unter anderem eine Tafel dunkle Schokolade. Eine meiner Lieblings-Schokoladen, die obendrein dieses typische „Fairtrade”-Siegel trägt (siehe Bild).

Auf die Frage meines Freundes, warum ich ausgerechnet diese Schokolade kaufen würde, sagte ich, dass sie mir sehr gut schmeckt und ich es außerdem gut finde, dass sie „fairtrade” ist. Er antwortete „Naja, das Siegel bedeutet eigentlich gar nicht so viel; es gibt immer noch genug, das die Verantwortlichen nicht richtig machen“ und packte dann eine siegelfreie Schokolade eines großen Herstellers in seinen Korb. Also fragte ich zurück: „Aber was glaubst du, welche Schokolade wurde unter faireren Bedingungen hergestellt? Deine oder meine?”. Das überraschte ihn doch sehr, da ihm der Gedanke gar nicht erst in den Kopf gekommen war.

Für ihn war die Annahme, dass das Siegel nicht perfekt sei eine ausreichend gute Ausrede, sich nicht weiter mit dem Thema zu beschäftigen und alle Vorteile, die es vielleicht trotzdem mit sich bringt, nicht zu beachten. Nur weil es ihn nicht ganz an das Ziel bringen konnte, war „Halbwegs” auch keine Option.

Aber es gibt immer etwas zwischen Schwarz und Weiß. Es gibt graue Flächen, die wir hervorheben können. Sie sind nicht perfekt, aber gut genug, um zu einem besseren Punkt zu kommen und vielleicht ein Trittbrett auf dem Weg zum nächsten Level.

Wenn du nicht vegan werden willst, werde Vegetarier. Wenn du das auch nicht willst, kaufe gutes Fleisch vom Schlachter, ein oder zweimal die Woche. Aber höre doch vielleicht auf täglich das Billigfleisch vom Discounter zu kaufen.

Wenn du keine Zeit hast dich für gemeinnützige Arbeit zu engagieren, spende einen kleinen Teil deines Einkommens für einen guten Zweck; wenn du kein Geld übrig hast, unterstütze die Organisationen via Social Media oder Petitionen.

Wenn du es dir nicht leisten kannst fair gehandelte Produkte zu kaufen, versuche herauszufinden, welche Unternehmen man unterstützen sollte und welche besser nicht. Kaufe vielleicht mehr lokale Produkte und nicht all das Nestlé- und Coca Cola-Zeug da draußen.

Wenn du es hinkriegst absolut schwarz oder weiß zu sein in diesen Belangen, ist das super für dich! Aber wenn du zu den vielen gehörst, denen es schwerfällt den Weg ganz bis ins Ziel zu laufen, nutze das nicht als Ausrede um einfach da stehen zu bleiben wo du bist. Beweg dich, und wenn es nur bis zur Hälfte des Weges ist. Jeder Schritt ist ein Schritt mehr in die richtige Richtung.

Übersetzt ins Deutsche von Hannes Diercks.

Foto von Nadine Shaabana.

Wenn dir dieser Artikel gefallen hat, könnte dir auch dieser gefallen: https://susy.world/2018/05/16/welche-fussspuren-hinterlasse-ich-auf-dieser-welt/