Nach 16 Stunden komme ich morgens um 4.50 Uhr in Bangkok an. Draußen erschlägt einen die Wärme und es ist quasi ruhig. Am Flughafen treffe ich auf Mike und Fabian, zwei gesprächige Kölner, mit denen ich mir ein Taxi in die Stadt teile.
Zum Auftakt gibt es für uns drei Frühstück über den Dächern der Stadt direkt am Fluss, gefolgt vom Tempel mit dem riesigen, goldenen, liegenden Buddha.

Während die Jungs zum nächsten Tempel wollen, begebe ich mich auf die Suche nach meiner Unterkunft. Was sich als schwieriger gestaltet als erwartet. Ständig ist mein Rucksack offen, man wird häufig angelogen, weil jeder einem was andrehen will und jede Straße, die zu meinem Hostel führt, ist gesperrt.
Kurzzeitig frage ich mich, was ich hier überhaupt mache. Ich bin genervt, totmüde, am schwitzen und verzweifelt. Mich tröstet nur der Gedanke, dass der Rest Thailands eben nicht wie Bangkok ist. Erschöpft lande ich in meiner Unterkunft und stelle fest, das ich für die letzte Nacht bereits gebucht hatte, trotzdem kann ich verlängern. Nach einer Dusche und ein paar Stunden Schlaf bin ich auch wieder enthusiastischer und erkunde die nähere Umgebung. Hungrig wage ich mich an eine Portion Nudeln von einem Straßenhändler und bin sehr positiv gestimmt – auch eine Stunde später noch.
Auf der Suche nach der Molly Bar frage ich Michael nach dem Weg. Wie sich rausstellt, ist Michael Tiroler, 33 Jahre alt, lebt seit einem Jahr von Work & Travel und fährt morgen nach Kambodscha.
Michael übernimmt das Ruder, mich an die Hand und meine Angst. Ich bin erleichtert kurzzeitig nicht selbst entscheiden zu müssen und lasse mich mitziehen. Das Tempo sowie das Glitzern dieser Stadt bei Nacht ist überwältigend. Ich hangel mich visuell an kleinen Dingen entlang, die mein Geist greifen kann, um mich nicht zu überfordern. Wir kaufen eine Flasche Rum, essen Streetfood, laufen über Märkte, durch dunkle Gassen und reden über Liebe, Reisen und das Leben. Wir fühlen uns wie die Könige der Welt und sind doch nichts als Fremde oder, wie Michael sagt, Aliens. Aber ich sei sowieso nochmal anders.
Es ist 4 Uhr. Die Füße tuen weh, es dämmert und die Flasche Rum ist leer. Wir verabschieden uns flüchtig, leicht, euphorisch und ohne Nummern getauscht zu haben. Und so tanze ich allein durch die Nacht nach Hause. 
Danke, Michael.