Um stetig frische Kräuter und auch Tomaten und Chilis im Sommer selbst ernten zu können, geht es aktuell ans vorziehen. Das spart erst einmal Platz und da wir keinen eigenen Garten haben, kann ich nichts im Freiland anbauen.

Zum Hintergrund: Wir überwintern meist von September bis März in Spanien und Co. und mieten  für die sommerliche Jahreshälfte eine Wohnung in Hamburg, meist mit Balkon. Dort landen dann ab Mai/Juni die vorgezogenen Tomaten in großen Kübeln. Aber auch Zuckerschoten in ausgelegten Weinkisten mit Rankhilfen, Zucchinis oder Erdbeeren.

Was ziehst du vor und wann?

Momentan findest du bei uns im Bus gesäht:

  • Dill
  • Rosmarin
  • Oregano
  • Schnittlauch
  • Basilikum
  • Tomaten, San Pedro
  • Chilis, Lila Luzie

Die Dillsamen habe ich bereits Ende Februar direkt in meinen Setzkasten gesäht. Auch der ganzjährige Ruccola hat im Setzkasten überlebt und kommt ganz langsam wieder. Die Zwergchili-Pflanze habe ich im Vorjahr gekauft (im August als Pflanze mit Früchten) und auch die kommt schon wieder und hat bereits einen Blütenansatz. Wie gesagt die Fensterfront wirkt wie ein Treibhaus.

Ab Anfang März habe ich, da die Temperaturen in Spanien höher sind als in Deutschland, bereits alles andere gesäht. Bis sich die ersten Stecklinge zeigten dauerte es 8-16 Tage. Vorreiter ist definitiv der Basilikum (wie du siehst habe ich es mit der Menge an Samen etwas übertrieben). Nun kommen gerade Oregano, Rosmarin und die ersten Tomaten. Chilis und Schnittlauch lassen auf sich warten.

TIPP: Die meisten Küchenkräuter kannst du im Van fast ganzjährig anbauen, solange es sonnig genug ist. Am besten funktionieren bei mir Dill, Kresse und auch Basilikum. Wer zu viel auf einmal gesäht oder vorgezogen hat, kann sie an Freunde und Verwandte mit Garten verschenken oder in Tauschbörsen anbieten. Beides kommt sehr gut an 😉

Welche Anzuchtschalen eignen sich?

Die anderen Samen habe ich in verschiedene Dosen, Plastikgefäße (wie Dattel- oder Weintraubenverpackungen) oder Eierkartons sowie aufgeschnittene Plastikflaschen mit Erde gesetzt. (Hier in Spanien wird fast alles in Plastik verpackt und es gibt kein Pfandsystem!) Den oberen Teil der Flaschen hebe ich zum Teil auf und stülpe sie wieder über die Anzuchtschalen um die Samen vor Wind oder Tieren zu schützen, wenn sie vor dem Auto stehen.

Welche Erde eignet sich?

Bei der Anzucht empfehle ich spezielle Kräuter- und Anzuchterde, die bietet Samen und Stecklingen optimale Keim- und Wachstumsbedingungen und ist meist nährstoffreicher und keimfrei. Anzuchterde hingegen besteht zum großen Teil aus Humus und Sand. Sie ist luftiger und lockerer, kann aber gleichzeitig viel Wasser speichern. So wird der Pflanzennachwuchs optimal mit Feuchtigkeit und Sauerstoff versorgt.

Worauf muss ich achten beim Vorziehen?

In die gründlich ausgewaschenen Anzuchtschalen habe ich unten ein kleines Loch gebohrt, damit sich keine Staunässe bildet. In die Schalen gebt ihr etwas Erde, legt bei Tomaten und Chilis jeweils einen Samen in die Schale. Ich nutze hier die Eierschalen, da ist alles abgetrennt und somit sparrt man sich später das Pikieren (auseinandersetzen von Pflanzen) und sorgt dafür, dass jeder Setzling bestmögliche Wachstumschancen hat ohne mit anderen Setzlingen konkurrieren zu müssen. Bei den Kräutersamen einfach ein paar in das Gefäß schütten. Ich habe hier die größeren Gefäße genommen um später nicht so oft Umtopfen zu müssen.

Um die Samen und späteren Setzlinge nicht zu überwässern, habe ich mir eine kleine Sprühflasche recycelt um die Erde mit Wasser zu befeuchten. Das muss je nach Temperaturen häufiger am Tag gemacht werden, damit die Erde nicht austrocknet. Einfach immer mal wieder mit dem Finger fühlen.

Wenig Platz oder unsicher? Mach die Keimprobe!

Wer sich Frust sparen möchte oder nicht überzeugt ist von der Qualität seiner Samen, kann auch eine Keimprobe machen und erst danach ausgewählte Samen eintopfen.

Als Kind haben die meisten bestimmt schon einmal Kresse auf Watte gezüchtet, oder? In eine flache Schale legst du zwei Lagen aus befeuchtetem Küchenpapier. Das geht zum Beispiel mit Deckeln von Konservengläsern. Das Papier halte ich kurz unter den Wasserhan und lasse es danach abtrofpen. Auf das feuchte Papier verteilst du ca. 10 Samen des betreffenden Saatguts und deckst die Schale mit Klarsichtfolie ab. Je nachdem, ob es sich bei dem Saatgut um Licht- oder Dunkelkeimer handelt, wird das Schälchen mit der Keimprobe an einen passenden Ort gestellt (Lichtkeimer: Fensterfront, Dunkelkeimer: Küchenschrank). Abhängig vom Saatgut heißt es nun abwarten und feucht halten. Das Papier darf nicht austrocknen. Nach zwei Wochen, aller spätestens nach dreien sollten zumindest einige Samen gekeimt sein. Die Keimlinge schnell in Erde setzen, aber nicht zu tief.