AutorHannes

Urlaub

Ich werde oft gefragt, wie denn mein Urlaub ist und was ich so alles schon erlebt habe.

Meine Antwort ist dann immer:
Ich mache keinen Urlaub. Ich lebe.

Die Wahrheit ist natürlich, dass ich probiere mir einen Lebensstil an zu eignen, den andere vermutlich durchaus als Urlaub bezeichnen würden. Aber die Wahrheit ist auch, dass ich zur Zeit vier Tage die Woche, acht Stunden am Tag für meinen Auftraggeber in Hamburg arbeite.

Darüber hinaus treibt mich mein  Schaffensdrang auch danach noch dazu, schöpferisch tätig zu werden. Ich mache Musik, erstelle Open Source Software und suche nach dem letzten Kniff wie ich mit meinem Bruder eine eigene Firma aufbauen kann mit der wir unsere Regenbogeneinhornponnywelt verwirklichen können.

Foto vom Beifahrersitz auf die Autobahn, mit Laptop auf dem Schoß

Daneben bleibt tatsächlich gar nicht so viel Zeit zum “erleben” im touristischen Sinne. Ich bin langsamer unterwegs als ein normaler Urlauber, der probiert in möglichst kurzer Zeit möglichst viel zu sehn. Ich genieße es oft einfach an Wunderschönen orten zu “sein” und wenn es nur 5 Minuten sind.

Das letzte Wochenende habe ich zum Beispiel mit guten Freunden in San Sebastián verbracht. Eine wundervolle Stadt voller Surfer und Pintxos-Bars. Einen Großteil der Zeit  habe ich damit verbracht an meinem Mac zu sitzen und einen Song fertig zu arrangieren, der schon viel zu lange auf meine Aufmerksamkeit gewartet hat.

Das mag für einige nach verschwendeter Zeit an diesem großartigen Ort klingen. Aber mir gibt es ein schwer zu beschreibendes Gefühl von Freiheit. Ich muss diesen Ort nicht bis ins letzte erkunden, den Reiseführer abarbeiten. Ich könnte – sicher. Aber ich habe eben so die Freiheit einfach das zu machen was mir gerade wichtig ist.

Ich fahre nicht durch Europa um dann nach Hause zu kommen und davon zu erzählen. Ich mache wenig Fotos und schreibe kein akribisches Tagebuch. Ich suche viel mehr nach Ideen und Inspiration. Nach Reflexionen und Erkenntnissen. Eine von diesen lest ihr gerade.

Ich mache keinen Urlaub. Ich erlebe Freiheit.

Champagner und Annanaskerze

Oder: Was bisher geschah, aufgenommen am 26. Oktober 2017

Salzig

Susy hat eine Salzkruste und mir ist immer noch latent schlecht.
Nachdem in Rom unser Gas alle war, nachdem Roxy in den Flieger nach Hamburg gestiegen ist, hat es angefangen zu regnen. Das ist keine Metapher, ich hatte noch gute Laune und Lust auf das Unbekannte was vor mir liegt – es hat nur schlicht und einfach geregnet.
Nach zwei Tagen nassem Grau und 8 Grad wurde es mir dann aber doch zu viel und zudem sorgte das Wetter dafür, dass Susys Solarpanel nicht genug Strom lieferte. Tagsüber arbeiten und nachts Netflix gucken war einfach nicht mehr möglich – manchmal kann das Leben sehr hart sein.
Ein Blick auf die Wettervorhersage sagte mir, dass der Regen die nächsten Tage so bleiben wird. Ein Blick auf die Karte sagte mir, dass Korsika untenrum auf dem gleichen Breitengrad endet wie Rom. Also beschloss ich kurzerhand meinen Plan zu verwerfen und fuhr nach Barcelona.
Die überfahrt von Civitavecchia, mit einem kurzen Stop in Porto Torres, kostet für eine Person und ein Wohnmobil knapp 200€ und dauert 20 Stunden. Sieben vom italienischen Festland bis Sardinien, weitere 13 bis nach Spanien. Diese 13 verflixten Stunden fuhren wir großteilig durch echt beachtliche Wellen.
Ich liebe Wellen! Je größer desto besser! Gib sie mir roh und rau! Aber dieses mal war es zu viel für mich. Die meiste Zeit habe ich, leicht winselnd und Podcast hörend, auf einem Sofa gelegen und mir nichts sehnlicher gewünscht als ein ebenes Stück Asphalt.
Die arme Susy stand derweil ganz außen auf dem offenen Autodeck und trägt nun die Kruste jeder einzelnen Welle, die wir genommen haben – jetzt wo ich das schreibe klingt das eigentlich ganz verlockend, vielleicht sollten wir nächstes mal die Plätze tauschen.
Susy steht in Barcelona am Strand
Das liegt nun aber hinter uns. Jetzt sitze ich in der Sonne und die Batterien werden neu geladen. Das ist ebenfalls keine Metapher, das Solarpanel arbeitet auf Hochtouren und mir ist angenehm warm. Am Strand singt und trommelt eine afrikanische Gruppe, es wird Beachvolleyball gespielt, gesegelt, sich gesonnt. Nur ich schein der einzige zu sein, der im November zwischendurch einfach so in den Wellen planscht. Ich liebe Wellen – immer noch.

© 2019 Susy

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