KategorieLebensweise

Mama Mia oder Monicas selbstgemachte Nudeln

Zu meiner großen Freude hat mich eine Freundin zum Kochen eingeladen. An sich nichts Ungewöhnliches. Auch die Tatsache, dass ich meistens in den „fremden“ Küchen kochen darf, wenn ich eingeladen werde, ist mir nicht neu. So ist das wohl, wenn deine Passion auch andere überzeugt. Aber diesmal kommt es noch besser, denn Monica macht NUDELN – und zwar per Hand und so wie es ihr ihre italienische Mama gezeigt hat. Und wenn wir in Susy etwas immer haben, dann sind es Nudeln. Weiterlesen

Welche Fußspuren hinterlasse ich auf dieser Welt?

Gedanken zu einem nachhaltigen Leben

Roxanna hat mich eingeladen, hier meine Gedanken und Erfahrungen zu einem nachhaltigen Leben mit euch zu teilen. Bevor ich einfach drauf los schreibe, habe ich mir ihren Blog susy.world genauer angesehen. Roxanna schreibt sehr persönlich. Ich fühle mich beim Lesen, als würde ich im Tagebuch einer Reisenden, eines Freigeistes, lesen. Umso mehr freut es mich, dass Roxanna mir erlaubt einen Eintrag in ihrem Tagebuch zu hinterlassen :-).

Nachhaltigkeit liegt im Trend

Was bedeutet es nun nachhaltig zu leben? Diese Frage ist nicht einfach zu beantworten. Auch weil viele ihren Teil vom “Nachhaltigkeits-Kuchen” abhaben wollen. Weiterlesen

Heimathafen II

Und wir fahren nach Hause in’s Hafengebiet und singen ein trauriges Seefahrerlied über Fernweh, die Wellen und unsere Heimat am Meer. Über Liebe, den Hass und den heiligen Geist, die Möwe, die dir auf dein Autodach scheißt. Irgendwann kommen wir sicher, ganz sicher mal wieder hier her und trinken die Minibar leer.
Monsters of Liedermaching, Seefahrerlied

Hamburg: So kommen wir nach Hause um dann doch nur wieder weiter zu ziehen und gen Süden zu fliehen. Susy ist abgegeben und wartet die nächsten zwei Wochen in Málaga auf uns und ich werde leicht schwermütig bei dem Gedanken sie zurück zu lassen. Hamburg selbst scheint mir momentan wenig verlockend -kalt, grau und fremd. Überall weihnachtet es…
Die letzten Teile werden aus meiner alten Wohnung geholt, bevor sie endgültig übergeben wird. Ich bin froh, wenn ich die damit einhergehende Verbindlichkeit endlich los bin. Zuletzt hat es an mir gezerrt. Ich hänge lieber in der Luft als an alten Gewohnheiten oder Mauern. Vielleicht bin ich ein Vagabund, vielleicht ein Träumer, vielleicht eine Heimatlose, aber egal in welche Schublade man mich steckt, ich bin frei.

Balancieren

Tarifa: Ich balanciere auf der weißen Mauer der Brücke, die zum Strand führt. Vor meiner Nase liegt Marokko und ich verspüre einen ungeheuren Bewegungsdrang. Ich habe die letzten 25 Jahre gesessen in der Schule, in der Uni, auf Arbeit. Ich will mich bewegen, mehr denn je. Ich laufe barfuß kilometerweit den Strand entlang ohne Ziel.
Die Woche nach Thailand habe ich gebraucht um erst einmal durch zu atmen, die Mittelmeerluft zu riechen, den rauen Sand unter den Füßen zu spüren, das Rauschen der Wellen zu hören und das Salz auf meinen Lippen zu schmecken. Ich fühle absolutes Glück, grenzenlose Freiheit und Liebe. Und ich erkenne, was mir gefehlt hat. Alles ist perfekt, auch bei nur 17 Grad -rau und spröde, aber echt.
Dennoch ruft eine süße Stimme „Marokko“ und ich weiß nicht, wie lange ich ihr widerstehen kann -denn es liegt direkt vor meiner Nase ist zum Greifen nah.

Heimathafen I

Es liegt auf der Hand und ich hoffe Ihr wisst:
Die Heimat ist da, wo Dein Netzanschluss ist –
und Dein Bett [..] und dieses bestimmte Gefühl.
Monsters of Liedermaching, Seefahrerlied.

Mit dem Rucksack, einem leeren Magen, dehydriert und der Übelkeit der letzten Tage im Gepäck klettere ich die obere Felswand entlang, die Ton Sai und Railley verbindet. Die Ebbe hat noch nicht eingesetzt und wir müssen rüber zu unserer Fähre nach Phuket. Ich laufe einfach weiter, klettere und wate schließlich  mit meinen Turnschuhen durch das knietiefe Wasser. Ich habe mich von der Vorstellung verabschiedet, dass sie vor dem Flug irgendwann trocknen.
Ich dachte immer, ich sei bereits stark, aber ich wachse weiter und in Situationen wie diesen über mich hinaus. Unser Geist kann vieles tragen und unser Körper ertragen.
Thailand lässt mich nach 12 Stunden am Flughafen endlich gehen, doch bis Hamburg soll es 2 zwei Tage dauern, weswegen ich gleich nach Málaga fliege -voller Vorfreude sowie Aufregung, aber dreckig und erschöpft. 
Ich möchte nach Hause. Aber in Hamburg habe ich kein Bett mehr, nur noch das Schlafsofa in der sonst leeren Wohnung, den Telefon- und Internetanschluss gekündigt – ebenso die Wohnung. Die Heizung funktioniert nicht mehr und Licht gibt es auch nur noch im Flur. Ich habe Freunde und Familie in Hamburg und doch denke ich, dass meine Reise noch nicht vorbei ist -ich folge meinem Gefühl nach Málaga.

Urlaub

Ich werde oft gefragt, wie denn mein Urlaub ist und was ich so alles schon erlebt habe.

Meine Antwort ist dann immer:
Ich mache keinen Urlaub. Ich lebe.

Die Wahrheit ist natürlich, dass ich probiere mir einen Lebensstil an zu eignen, den andere vermutlich durchaus als Urlaub bezeichnen würden. Aber die Wahrheit ist auch, dass ich zur Zeit vier Tage die Woche, acht Stunden am Tag für meinen Auftraggeber in Hamburg arbeite.

Darüber hinaus treibt mich mein  Schaffensdrang auch danach noch dazu, schöpferisch tätig zu werden. Ich mache Musik, erstelle Open Source Software und suche nach dem letzten Kniff wie ich mit meinem Bruder eine eigene Firma aufbauen kann mit der wir unsere Regenbogeneinhornponnywelt verwirklichen können.

Foto vom Beifahrersitz auf die Autobahn, mit Laptop auf dem Schoß

Daneben bleibt tatsächlich gar nicht so viel Zeit zum “erleben” im touristischen Sinne. Ich bin langsamer unterwegs als ein normaler Urlauber, der probiert in möglichst kurzer Zeit möglichst viel zu sehn. Ich genieße es oft einfach an Wunderschönen orten zu “sein” und wenn es nur 5 Minuten sind.

Das letzte Wochenende habe ich zum Beispiel mit guten Freunden in San Sebastián verbracht. Eine wundervolle Stadt voller Surfer und Pintxos-Bars. Einen Großteil der Zeit  habe ich damit verbracht an meinem Mac zu sitzen und einen Song fertig zu arrangieren, der schon viel zu lange auf meine Aufmerksamkeit gewartet hat.

Das mag für einige nach verschwendeter Zeit an diesem großartigen Ort klingen. Aber mir gibt es ein schwer zu beschreibendes Gefühl von Freiheit. Ich muss diesen Ort nicht bis ins letzte erkunden, den Reiseführer abarbeiten. Ich könnte – sicher. Aber ich habe eben so die Freiheit einfach das zu machen was mir gerade wichtig ist.

Ich fahre nicht durch Europa um dann nach Hause zu kommen und davon zu erzählen. Ich mache wenig Fotos und schreibe kein akribisches Tagebuch. Ich suche viel mehr nach Ideen und Inspiration. Nach Reflexionen und Erkenntnissen. Eine von diesen lest ihr gerade.

Ich mache keinen Urlaub. Ich erlebe Freiheit.

Wis – Katzen im Dschungel

Chiang Mai: Für Tag 3 habe ich einen Öko- & Raftingtrip gebucht. Meine Gruppe besteht aus zwei französischen Pärchen, Wis, unserem Guide und mir. Wir starten mit einem Marktbesuch um einzukaufen, unbekanntes Essen zu probieren, das Wis uns wie eine Vogelmutter in den Mund steckt. Wis kann sich ausschließlich meinen Namen merken und so kriege ich quasi eine Sonderstellung.
Es geht zum Rafting. Die Floße sind aus Bambus und die leichten Stromschnellen lassen uns durch den Fluss gleiten. Am Rand steht der erste Elefant, gefolgt von einer Schlange die gefährlich nah an unser Floß kommt und den schwarz-violetten Schmetterlingen, die durch den Dschungel huschen. Ich bin überwältigt von der Natur und ihrer Schönheit. Ehe ich einen Teil davon fassen kann, fahren wir weiter zu einem Wasserfall an dem wir Picknicken und baden.

Im Elefanten Rescue Center sind nur wir und füttern die müde wirkenden Elefanten, die aus anderen Camps gerettet wurden. Die Elefanten drehen auf, als es mit uns in die Schlammgrube und anschließend in den Fluss geht. Ich kriege eine Elefantenumarmung, ein paar kalte Duschen und kurz darauf Bier und Tabak in gerollten, getrockneten Bananenblättern.
Ich kann mit dem Tempo in dem Erlebnisse kreiert werden kaum mithalten. Ich bin wach und fühle mich doch komatös -wie in Watte. An einem Tempel auf einem Berg kann ich kurz entspannen, die Stille genießend.

In Wis Bergdorf angekommen, kochen wir in der Hütte seiner Eltern über offenem Feuer und zelebrieren das Essen.
Der Abend klingt am See aus, wo wir eine chinesische und Laterne in den sternenklaren Himmel steigen lassen. Der Dschungel ist stockdunkel und die Grillen unglaublich laut. In meiner Bambushütte erwartet mich eine große Kakerlake, die etwas in Rage gerät, als ich sie anläuchte, also lösche ich das Licht. Ich bin zu müde um mich zu ekeln und schlafe, durch mein Moskitonetz geschützt, ein.
Die Nacht ist kurz und der Boden hart. Wir starten unsere Trekkingtour bei der Wis uns viel über die heimischen Kräuter und ihre Wirkung erzählt. Hinter jedem Aufstieg erwartet uns ein neues Panorama. Der Boden ist meist terrakotta und die Farben des Dschungels schillernd.

Es gibt keine Worte, die das Erlebte beschreiben können und ich wünschte ich könnte die stetig wachsenden Bilder in meinem Kopf auf Papier projizieren, skizzieren, was ich sehen kann.

Nach wenigen Stunden ist mein Kopf das erste mal leer und ich habe das Gefühl aufzuwachen und sehen zu können. Wir veranstalten ein Barbecue mit frischem Fisch, den wir ausnehmen, im Wald und wandern weiter zu einer Höhle mit Tropfsteinen und unzähligen Fledermäusen, die an mir vorbeifliegen. Begeistert von der Komposition, bin ich die einzig Mutige, die mit Wis den Aufstieg wagt und in das innere der nächsten Höhle klettert. Er sagt Rox, so wie der Stein, stark -und mutig. Die Tour über brauche ich keine Hand, die mir hilft und ich habe keine Angst. Es gibt Wege, die mir leicht fallen zu beschreiten und Stellen an denen ich kurz verweile, um zu überlegen welchen Schritt ich setze.
Mit wundervollen Erinnerungen im Gepäck machen wir uns auf den Weg zurück nach Chiang Mai, während im Radio „She lala“ läuft und die Franzosen mitsingen, als ob sie eine etprobte Uni-Accapellaband wären.

SHE MOVES HER BODY,MOVES HER FEET SHE FEELS THE RHYTHM LIKE IT IS HER HEARTBEAT UP AND DOWN, SHE JUMPS TO THE BEAT SHE IS LIVING IN HER FANTASY
SHE MOVES (LA,LA,LA Song)

Zurück im Hostel erwartet mich Jing, der Koreaner und will alles über die Tour wissen. Mir wird bewusst, dass ich morgen schon wieder weiter ziehe und werde ein wenig melancholisch. So schlafe ich erschöpft ein.

Dang – Nur ein Leben

Phrae: Eher unbeabsichtigt lande ich mit dem Minivan -für den sogar ich zu groß bin- in Phrae, da alle Busse nach Chiang Mai voll sind. Da ich ja improvisieren kann, geht es halt weiter ohne Plan in die zwei Stunden entfernte Stadt Phrae, in der die freundlichsten Menschen Thailands leben sollen.

Vom Bahnhof aus laufe ich also los Richtung Altstadt und zu einer preiswerten Unterkunft, die in meinem lonely planet von 2012 angegeben ist und lande vor verschlossenen Türen. Also laufe ich klitschnass, da es schwül ist und mein am Vorabend gewaschenes Shirt noch nass, weiter zum nächst besten Hostel. Das nächste ist mir zu teuer, dafür, dass ich eigentlich gar nicht hier sein will. Immerhin sind die Leute, die ich nach dem Weg frage wirklich nett und sprechen zum Großteil Englisch.

Bei der dritten Unterkunft, die aus dem für Phrae typischen Teakholz besteht und ganz apart aussieht, kapituliere ich vor dem Wetter und meinen Muskelkater von der Trekkingtour in Nan. Ich nehme das preiswerteste Zimmer, was eher einer dreckigen Besenkammer ähnelt, um dann doch die teurere Kategorie zu nehmen und das Zimmer weitere drei Male zu tauschen, weil entweder das Bad voller Ameisen ist, das Bett dreckig oder Ventilator und Kühlschrank nicht funktionieren. Am Ende erwische ich das geringste Übel, bin froh duschen zu können und denke, es ist nur für eine Nacht. Die letzte Woche habe ich echte Glücksgriffe gemacht und bereue bereits nicht in Nan geblieben zu sein. So bin ich wenigstens genötigt mir etwas von der Stadt anzusehen und verlasse mein Zimmer ohne etwas auszupacken.

Draußen steht Dang, gut und teuer gekleidet, der mich in wirklich schlechtem Englisch fragt wo ich hin will. Als ich mit den Schultern zucke, deutet er mir an auf sein Moped zu steigen. Als ich zögere, sagt er noch „for free“. Ich steige auf, wie so oft in den letzten Tagen ohne zu wissen wo wir hinwollen. Da gefühlt alle besser angezogen sind als ich und nicht total verlottert aussehen, denke ich immer was sollten sie mir schon nehmen, aber ich bleibe vorsichtig und skeptisch -vor allem nach Bangkok.

Dang zeigt mir alle Sehenswürdigkeiten, die Phrae zu bieten hat, schickt mich in ein Museum und in einem Tempel. Die Damen und Dang freuen sich als ich den gestellten Rock zusammenlege und eine kleine Spende einwerfe.

An dem nächsten Tempel treffe ich einen Mönch, der mich fragt was ich mache, wo ich hin will und mit wem. Als ich ihm erzähle, dass mich Dang begleitet sagt er nur, das sei nett und er versteht. Ich verstehe nichts und bin irritiert darüber, dass uns der Mönch so lange hinter her guckt.

Dang kauft unterwegs etwas zu essen und trinken und fährt mit mir zu einem kleinen Platz am See, wobei mir erst etwas mulmig wird, als er auf ein Privatgrundstück fährt. Unsere Kommunikation funktioniert nicht wirklich und ich bin skeptisch bei so viel Freundlichkeit. Kurz darauf fahren wir auch schon wieder weiter – wohin auch immer. Wir landen vor einem großen gepflegten Haus bei dem er klingelt. Unweigerlich glaube ich, dass er mir nun seinen Sohn vorstellen will. Ich soll mich irren, denn es ist ein Freund, der sehr fließend Englisch spricht und zwischen uns vermittelt. Dang will wissen, was ich sehen und essen möchte. Ich möchte wissen, warum Dang so nett zu mir ist und frage.

Wir leben nur einmal und können versuchen das beste aus unserem Leben zu machen. Er ist einfach nur freundlich.

Die beiden bringen mir noch bei auf thailändisch Danke zu sagen und freuen sich sehr als es mir gelingt. Dang fährt mich zurück zum Hostel um mich nachmittags wieder abzuholen und mit mir zu Abend zu essen. Ich frage mich, ob er nicht arbeiten muss….

Nachdem Dang eine Weile mit mir flanieren fährt – er scheint ein bunter Hund in der Stadt zu sein – geht es weiter zum Nachtmarkt und er freut sich das ich etwas typisch Nordthäiländisches essen möchte. Es gibt kanomjeen (eine Reisnudelsuppe) und kow som (sauren Reis). Nach 10 Minuten Fahrt und dem Verlassen der Stadt werde ich unruhig. Das ist nicht das erste Mal an diesem Tag. Ich weiß nicht warum ich so misstrauisch bin und es mir neuerdings schwer fällt zu vertrauen oder an reine Gutmütigkeit zu glauben. Vielleicht hätte ich doch das Buch, den kleinen Taschenbuddhisten, mitnehmen sollen. Wir fahren an Polizeistationen und unzähligen Indigo-Klamottenläden vorbei bis er vor einem verschlossenen Tor hällt. Dann sagt er sein Sohn wohnt dort und ich frage mich wieder, ob das nun gut oder schlecht ist. Daneben ist ein Streetfoodstand und Dang kauft wieder Essen für uns. Diesmal süßes Toast mit Milch. Sein Sohn und die Freundin öffnen schließlich das Tor und bitten uns rein. Da sitze ich nun, trinke heiße Milch, verstehe nichts und google sicherheitshalber meinen Standort, den ich Hannes schicke. Ich glaube er ist besorgt und ich bin es auch – und verwirrt. Aber Hannes Besorgnis lässt mich ruhiger werden, das funktioniert immer so, wenn ich ihm rational erkläre, dass alles gut ist und es dann selber glaube. Nachdem ich noch für ein Foto herhalten darf, fährt Dang mich zurück zu meinem Hostel. Ich frage mit Hilfe eines Übersetzers warum er alles bezahlt und er so nett zu mir ist und er lächelt nur. Ich gebe ihm etwas Geld für das Essen, das er widerwillig annimmt.

Am nächsten Morgen holt Dang mich um 8 Uhr ab um mich zum Bus zu bringen. Er bringt mir Frühstück mit, thailändische Reis-Poffertjes mit Schnittlauch – glaube sie heißen somdam. Ich frage ihn, ob ihm das Hostel gehört und er nickt.

Als wir uns am Busbahnhof verabschieden gibt mir Dang seine Adresse und Telefonnummer für den Fall, dass ich Hilfe brauche sowie seinen Schal als Geschenk. Ich bin gerührt und sprachlos. Ich bin dankbar.

Wir leben nur einmal und können versuchen das beste aus unserem Leben zu machen. Wir können andere Kulturen kennen lernen, wir können Menschen begegnen und unseren Horizont erweitern. Und wir können uns Überraschen lassen, indem wir vertrauen schenken, an das Gute in jedem glauben, mutig und offen sind.

Ann, Sun und Bom – Offene Türen

Nan: Es ist 6 Uhr morgens und ich bin mit Bom auf seinem Moped unterwegs zum Wat Phra That Chae Haeng. Es ist vergleichsweise frisch, der Nebel hängt über den Städten um Nan und in der Ferne ist Laos zu erkennen. Die Sonne bricht langsam durch die Wolkendecke, es ist still und verschlafen, so wie Nan. Doch die Aussicht ist fantastisch, genau wie die Menschen hier. 

Als ich gestern früh um 6 ankomme, schläft die Stadt noch. Ich frage mich, nachdem ich gut eine Stunde meine Unterkunft -mal wieder ohne mein Handy und mobile Daten- durch, werde sogar mit dem Moped mitgenommen, um wieder bei der Busstation zu landen. Das Ganze passiert gleich zweimal und die Taxifahrer wollen mir den Weg nicht sagen. Also laufe ich weiter bis mich ein Junge im gelben Trikot wieder dahin schicken will, so wie es ihm seine Mutter wohl sagt. Mit Händen und Füßen versuche ich zu erklären, dass ich laufen will. Er schiebt mich weiter Richtung Busstation. Als wir aus Sichtweite seiner Mutter sind googelt er den Weg und zeigt in irgendeine Richtung. Nach 5 Minuten kommt er auf seinem Moped an und deutet an mich zu bringen. Er fragt unzählige Menschen nach dem Weg und ich glaube schon, dass es meine Unterkunft gar nicht gibt. Aber der kühle Fahrtwind stimmt mich gnädig und ich bin bereit dem Jungen im gelben Trikot den überteuerten Betrag, den der Taxifahrer haben wollte, für seine Mühe zu geben. Nach einer guten Ewigkeit und tausendmal im Kreis fahren, weiß ich gar nicht mehr wo wir sind, aber wir haben Sundaras Guesthouse erreicht und bevor ich mich bedanken kann, ist der Junge im gelben Trikot auch schon weg und ruft bis bald.
Ann und Sun, meine Gastgeber, kümmern sich so liebevoll um mich und alles andere, dass es mich fast überfordert. Den Kontakt hat Vivi aus Bangkok hergestellt, ebenso wie zu Bom, der es sich zu seiner persönlichen Aufgabe gemacht mir alles zu zeigen in Nan und der Umgebung. So bringt er mich zum Essen auf den Nachtmarkt, in sein traumhaftes Restaurant zum musizieren, zum Wildreservat Tham Phah Tup, ca. 10 km nördlich von Nan und in das nahegelegene Café Ban Phakhin.
Nach 4 Stunden Trekking inklusive Klettern ist mein Kopf endlich frei und mein Körper erschöpft. Bom holt mich ab und wir fahren nach einem Eiskaffee zurück. Den kühlen Fahrtwind im Gesicht, euphorisch und erschöpft, genieße ich die Aussicht, denke an die Landschaft Portugals und freue mich mal wieder über so viel Gastfreundschaft, die beim gemeinsamen Abendessen mit Ann und Sun ihren Höhepunkt findet.
Morgen geht es nach Chiang Mai.

Über 

Baan Mung Kan
: Mitten im Wald, den Weg mit Hängematten und Laternen verziert liegt Boms hölzernes Café. Der Ort ist traumhaft und Boms Musik passt dazu. Bom hat ebenfalls ein Hostel namens Hug Her Him, daneben ist er Musiker, spielt ab und an in seiner Bar und ist ein herzensguter Mensch.

Sundaras Guesthouse: Heißt so viel wie Schönheit und ist ein kreativer und entspannter Ort zum Verweilen. Ann und Sun sind nämlich Künstler, und Sundara ihr Atelier.

Vivi und Bove

Ich bin dem Rat meiner Gastgeberin Vivi gefolgt, sitze nun im Nachtbus nach Nan und freue mich sehr über das VIP Ticket für umgerechnet 7 Euro mehr als regulär, da ich mit einer Klimaanlage, Nackenhörnchen, flexiblen Sitzen, Fußstütze und einem Fresspacket, Wasser und Saft belohnt werde. Oh korrigiere wir halten um 2 Uhr an und kriegen noch mal richtiges Essen. Das ist definitiv komfortabler als der Flug war. Ich könnte sogar Filme auf thailändisch gucken. 
Die kleine Provinz Nan liegt im Norden Thailands und jeder Thailänder dem ich erzähle, dass ich genau dahin fahre, ist erst einmal irritiert. Der Alien ist eben nicht der klassische Tourist…
So kommt es dazu, dass ich gestern Abend noch mit meinen beiden Gastgebern Vivi und Bove in einer japanischen Kneipe abgestürzt bin. Nachdem wir uns im Garten meiner temporären Heimat uns über Musik, Träume, Ziele und Familie unterhalten, beschließen die zwei mir einen Teil ihrer (Feier-)Kultur zu zeigen. Die Kneipe gehört Freunden, die uns japanische Snacks wie Seetang, Popcorn mit Wasabiaioli etc. verköstigen und natürlich japanischem Bier. Ich tauche ein, lass mich mitreißen und treiben. Das funktioniert so gut, das mir von meiner ersten Tuk Tuk Fahrt zurück ganz schlecht wird. Ich freue mich trotzdem sehr und bin gerührt von Vivi und Boves Gastfreundschaft.

Trotzdem bin ich jetzt froh aus Bangkok raus zu sein. Gebührend habe ich mich heute noch von Big Buddha verabschiedet und Elsa aus Frankreich kennen gelernt, die mich durch ihre entspannte und aufrichtige Freundlichkeit beeindruckt. Ich versuche es ihr gleich zu tun.

Greif ich nach deiner Hand oder soll ich dich erst fragen, was macht dein Leben interessant? Sind es die Schritte, die wir wagen?
Redensart, Gedankenstolpern

© 2018 Susy

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