KategorieLebensweise

Alien 

Planlos laufe ich durch die Gegend und lande beim Golden Mountain. Es ist 20 Uhr, menschenleer und wärmetechnisch zu ertragen. So langsam gefällt es mir die Stadt eher bei Nacht zu erkunden. 
Ich steige die 344 Stufen hinauf und empfinde einfach alles als erträumt und surreal, wie in einem Bild von Dali. Von weitem höre Möchsgesang und verliere mich kurz darin. Bis nach ganz oben komme ich nicht mehr, da mir die entgegenkommenden Mönche den Weg abschneiden.

Auf dem Rückweg verlaufe ich mich ins Hazel’s, wo ich mit Livemusik, wie von Bob Dylan und Bier geködert werde und bin froh darüber. Die Band ist erstaunlich gut (nach den ganzen schlechten von gestern, somit eine Rarität) und erinnert mich etwas an Oasis. Und obwohl ich nichts verstehe, fühlt es sich ein bisschen nach Heimat an und ankommen. Ich lass mich fallen und versinke in der Musik. Zum ersten Mal sind Worte egal.

Und dann bin ich mittendrin, nur unter Einheimischen und Musikern. Jeder kennt jeden dort und alle sind angeblich sehr bekannte Musiker in Thailand, wie mir erzählt wird. Ich fühle mich kurz wie ein Alien dort, als einzige Touristin dort, aber ihre Freundlichkeit macht es mir leicht. Wir tanzen noch ein bisschen bevor ich mich auf den Heimweg begebe und dort von meinen Gastgebern auf das nächste Bier eingeladen werde inklusive Empfehlungen für meine weitere Reise. Sie gestehen mir auch, dass sie sich letzte Nacht Sorgen gemacht haben. Ich bin fast gerührt und verlängere noch eine Nacht hier – auf dem fremden Planeten.

Champagner und Annanaskerze

Oder: Was bisher geschah, aufgenommen am 26. Oktober 2017

Salzig

Susy hat eine Salzkruste und mir ist immer noch latent schlecht.
Nachdem in Rom unser Gas alle war, nachdem Roxy in den Flieger nach Hamburg gestiegen ist, hat es angefangen zu regnen. Das ist keine Metapher, ich hatte noch gute Laune und Lust auf das Unbekannte was vor mir liegt – es hat nur schlicht und einfach geregnet.
Nach zwei Tagen nassem Grau und 8 Grad wurde es mir dann aber doch zu viel und zudem sorgte das Wetter dafür, dass Susys Solarpanel nicht genug Strom lieferte. Tagsüber arbeiten und nachts Netflix gucken war einfach nicht mehr möglich – manchmal kann das Leben sehr hart sein.
Ein Blick auf die Wettervorhersage sagte mir, dass der Regen die nächsten Tage so bleiben wird. Ein Blick auf die Karte sagte mir, dass Korsika untenrum auf dem gleichen Breitengrad endet wie Rom. Also beschloss ich kurzerhand meinen Plan zu verwerfen und fuhr nach Barcelona.
Die überfahrt von Civitavecchia, mit einem kurzen Stop in Porto Torres, kostet für eine Person und ein Wohnmobil knapp 200€ und dauert 20 Stunden. Sieben vom italienischen Festland bis Sardinien, weitere 13 bis nach Spanien. Diese 13 verflixten Stunden fuhren wir großteilig durch echt beachtliche Wellen.
Ich liebe Wellen! Je größer desto besser! Gib sie mir roh und rau! Aber dieses mal war es zu viel für mich. Die meiste Zeit habe ich, leicht winselnd und Podcast hörend, auf einem Sofa gelegen und mir nichts sehnlicher gewünscht als ein ebenes Stück Asphalt.
Die arme Susy stand derweil ganz außen auf dem offenen Autodeck und trägt nun die Kruste jeder einzelnen Welle, die wir genommen haben – jetzt wo ich das schreibe klingt das eigentlich ganz verlockend, vielleicht sollten wir nächstes mal die Plätze tauschen.
Susy steht in Barcelona am Strand
Das liegt nun aber hinter uns. Jetzt sitze ich in der Sonne und die Batterien werden neu geladen. Das ist ebenfalls keine Metapher, das Solarpanel arbeitet auf Hochtouren und mir ist angenehm warm. Am Strand singt und trommelt eine afrikanische Gruppe, es wird Beachvolleyball gespielt, gesegelt, sich gesonnt. Nur ich schein der einzige zu sein, der im November zwischendurch einfach so in den Wellen planscht. Ich liebe Wellen – immer noch.

Das Fuchsloch

Es ist hier gerade 17.00 Uhr, ich habe endlich meinen Fuchsbau verlassen, da der Kater Essen braucht und lande im FOX HOLE, einem Art Café. Meinen iced Coconut Matcha Latte schlürfend versuche ich die Eindrücke von gestern und heute Nacht zu verarbeiten. Mein Schädel pocht und mein Magen grummelt, während es draußen gerade die obligatorische Stunde regnet. Ich weiß nicht wo ich anfangen soll und mir fehlt der rote Faden. Damit meine ich keinen Filmriss – obwohl…Vielleicht war es die Flasche Rum oder es ist der Jetlag, die vielen Eindrücke und das Gefühlschaos, aber ich fühle mich echt erschlagen und planlos. Morgen muss ich auschecken und entscheiden wo ich hin will. Vermutlich bleibe ich einfach noch eine Nacht in einem anderen Stadtteil Bangkoks. Aber wer weiß schon was morgen ist.

Michael – Alles Gold was glänzt 

Nach 16 Stunden komme ich morgens um 4.50 Uhr in Bangkok an. Draußen erschlägt einen die Wärme und es ist quasi ruhig. Am Flughafen treffe ich auf Mike und Fabian, zwei gesprächige Kölner, mit denen ich mir ein Taxi in die Stadt teile.
Zum Auftakt gibt es für uns drei Frühstück über den Dächern der Stadt direkt am Fluss, gefolgt vom Tempel mit dem riesigen, goldenen, liegenden Buddha.

Während die Jungs zum nächsten Tempel wollen, begebe ich mich auf die Suche nach meiner Unterkunft. Was sich als schwieriger gestaltet als erwartet. Ständig ist mein Rucksack offen, man wird häufig angelogen, weil jeder einem was andrehen will und jede Straße, die zu meinem Hostel führt, ist gesperrt.
Kurzzeitig frage ich mich, was ich hier überhaupt mache. Ich bin genervt, totmüde, am schwitzen und verzweifelt. Mich tröstet nur der Gedanke, dass der Rest Thailands eben nicht wie Bangkok ist. Erschöpft lande ich in meiner Unterkunft und stelle fest, das ich für die letzte Nacht bereits gebucht hatte, trotzdem kann ich verlängern. Nach einer Dusche und ein paar Stunden Schlaf bin ich auch wieder enthusiastischer und erkunde die nähere Umgebung. Hungrig wage ich mich an eine Portion Nudeln von einem Straßenhändler und bin sehr positiv gestimmt – auch eine Stunde später noch.
Auf der Suche nach der Molly Bar frage ich Michael nach dem Weg. Wie sich rausstellt, ist Michael Tiroler, 33 Jahre alt, lebt seit einem Jahr von Work & Travel und fährt morgen nach Kambodscha.
Michael übernimmt das Ruder, mich an die Hand und meine Angst. Ich bin erleichtert kurzzeitig nicht selbst entscheiden zu müssen und lasse mich mitziehen. Das Tempo sowie das Glitzern dieser Stadt bei Nacht ist überwältigend. Ich hangel mich visuell an kleinen Dingen entlang, die mein Geist greifen kann, um mich nicht zu überfordern. Wir kaufen eine Flasche Rum, essen Streetfood, laufen über Märkte, durch dunkle Gassen und reden über Liebe, Reisen und das Leben. Wir fühlen uns wie die Könige der Welt und sind doch nichts als Fremde oder, wie Michael sagt, Aliens. Aber ich sei sowieso nochmal anders.
Es ist 4 Uhr. Die Füße tuen weh, es dämmert und die Flasche Rum ist leer. Wir verabschieden uns flüchtig, leicht, euphorisch und ohne Nummern getauscht zu haben. Und so tanze ich allein durch die Nacht nach Hause. 
Danke, Michael.

Zurück

…in Hamburg. Überraschenderweise erwartet mich Hamburg trocken und fast mild. Vom Flughafen geht es direkt zur Sporthalle. Aber zuvor gönne ich mir ein Astra, da es nach zwei Stunden Verspätung nun nicht mehr auf weitere 5 Minuten ankommt und versuche mit meinem Handgepäck durch die Einlasskontrolle zu gelangen. Daran sollte sich der Flughafen Security-check mal orientieren! Mein Ticket hat natürlich meine Schwester, die seit guten zwei Stunden im Getümmel ist, also heißt es wieder warten – aber ich ruhe ja dank des kleinen Taschenbuddhisten in mir selbst. Irgendwann bin ich drin, also vorerst bei der Garderobe, wo mir alles abgenommen wird und man mir mitteilt, dass das Konzert ja fast vorbei sei. Ich erwiedere trocken „Sag das mal dem Flieger von Rom aus!“ und kriege ein Augenrollen und seine Rückseite. Vielleicht, weil ich auch als Obdachlose durchgehe mit meinem Rucksack, meinen Flugzeugmief, der dezenten Astrafahne, ungeduscht und -gekämmt.
Tatsächlich habe ich nur den ersten Song verpasst, habe einen wunderschönen Abend und taue langsam wieder auf bis ich vom ganzen tanzen brenne. Alles ist perfekt.

Du lachst, du weinst, du strahlst, du scheinst.
Du kratzt, du beißt, Fastenzeit vorbei. Und wie du brennst, wie du fällst.
Alles wird perfekt! Alles! Alles!
Alles wird perfekt! So perfekt!
Casper, So perfekt

Reisen mit leichtem Gepäck

Loslassen, nicht wissen wo man strandet, sich treiben lassen wie ein Stück Treibholz, das ist die Reise und vielleicht das Ziel.

Rom sin Gas

Da stehen wir nun…vor dem Colloseum und dem Ende unserer gemeinsamen Italienreise. Für Hannes geht es Freitag nach Korsika und für mich über Hamburg nach Thailand. Mit einem lachenden und einem weinenden Auge machen wir uns auf den Weg. Immerhin regnet es nicht mehr, aber es ist unglaublich kalt. In Hamburg nennt man das Shitwetter, was hier die letzten zwei Tage über uns lag.
Auf der Suche nach teurer, italienischer Seife durchqueren wir ein paar wirklich schöne Gassen, abseits der Tourismus-Flaniermeilen. Ich kann nicht mehr benennen, wer mir diesen Floh mit der Seife ins Ohr gesetzt hat, aber wir suchen unbeirrt weiter und werden schließlich fündig. Feierlich beschließen wir den Abend bei einem Burger zum Abschied, italienischem IPA Craftbeer und einer Schischa. Von himmlischer Pizza habe ich mich in Alife bereits verabschiedet.
Und auch Susy ist etwas wehmütig. So wie unsere gemeinsame Reise nach drei Wochen zu Ende geht, hat sich zudem auch der Strom verabschiedet und bei der zweiten Gasflasche ist die Luft raus und damit Wasser und der Kühlschrank aus. Ohne Standheizung wärmen wir uns aneinander und der Vorstellung von morgen. So schlafen wir neugierig und erfüllt von den ersten drei Wochen ein. Auf zu neuen Ufern!

Ein Drittel Heizöl, zwei Drittel Benzin – Augen und Herzen sind Dynamit.
Ein Drittel Heizöl, zwei Drittel Benzin – müde mit ’nem Plan mit ’nem Ziel.
Ich breche auf, bin raus, dreh‘ das Radio laut, fahr‘ zum Hügel hinauf…
Casper, Im Ascheregen

Küchenkomposition I

Seitdem wir unterwegs sind, habe ich eine Kochleidenschaft entwickelt von der primär Hannes profitiert. Da ich quasi aus einer gastronomisch versierten Familie komme, in der es zwei gelernte Köche gibt, kann ich nicht leugnen etwas mehr als die Grundlagen des Handwerks zu beherrschen. Dementsprechend gerate ich dermassend aus der Fassung und verfalle in einen anhaltenden Lachflash bei dem gut gemeinten Rat von Freunden etwas Soßenfix o.ä. nach Italien mit zu nehmen, das gibt es da nämlich nicht. Gut das meine diversen Soßen seit 10 Jahren ohne auskommen und vielleicht deswegen so beliebt sind 😅 Das hat eine absolut nicht repräsentative Befragung mit nicht zufällig und in irgendeinem Verhältnis zu mir stehenden Personen ergeben.
Nun zum Wesentlichen: In Susy zu kochen ist eine kleine Herausforderung. Es gibt nur zwei Kochfelder, wobei unter dem zweiten unsere Taucheranzüge liegen…Deswegen werde ich geradezu zu einem One-pot-Experten. Vielleicht auch wegen des Abwaschens und in Ermangelung weiterer Töpfe. Am meisten fasziniert mich, dass die italienische Küche mit nur wenigen Zutaten auskommt. Wenige, aber regionale und frische Zutaten dominieren inzwischen auch Susys Küche. Die berühmten Zwiebeln aus Alife, direkt vom Feld unserer Freunde, Rosmarin aus dem Garten, Zitrusfrüchte vom Baum…Und da ich nun so viel vom Essen geschrieben habe, mache ich mich mal an das Tomatensugo.

Küchen Jam aus Alife

Bis gestern haben wir die Woche bei Freunden aus Alife verbracht, um etwas zu verschnaufen, uns zu waschen und vor allem um Musik zu machen. Das ist dabei rausgekommen:

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https://m.youtube.com/watch?v=Sg6_snxIdqc

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