KategorieMenschen

Far III – 9 Knoten

100 Schritte, 9 Knoten und mit einer Hand voll Sand geben wir dich in die Wogen des Meeres…

Die Wellen sind hoch und lassen das Schiff schaukeln. Der Wind ist wieder da und lässt mein Kleid tanzen. In der Ferne sehen wir die Brandung schäumen. Wir stehen geschlossen am Buck. Du stehst an der Reling. Wir sind hier wegen dir. Noch einmal zusammengekommen. Streuen Blumen und Bier auf dein Haupt und warten bis das Schiff sich dreht. Mit Wehmut sehen wir dir nach.

Schiffsleuchten leuchten uns umsonst.
Im Nebel ein Kegel aus Licht.
Da ist kein Ziel, kein Horizont.
Kein anderes Segel in Sicht.
Die Mannschaft an Bord –
Atmet müde und schwer.
Keiner sagt ein Wort.
Um uns wütet das Meer.
Wir steuern in Richtung unbekannt.
Doch wir sehen kein Land.
Wo gestern noch ein Licht war,
Ist heut kein Licht mehr sichtbar –
Ist unser Leuchtturm ausgebrannt.

Jennifer Rostock, Leuchtturm 

Und dann legen an in der Kieler Förde. Mit deinen Werten im Gepäck, aber ohne Dich.

Auf bald – wir denken an dich.

Far II – Auf einen letzten Tee in Zimmer Nr. 5

Es ist der 4. Mai, 7.46 Uhr. Der Korridor ist menschenleer und doch ist es laut. Das permanente Piepen wird zu einem Ton. Es erinnert mich an eine Pumpe und der Korridor, der sich langsam mit Menschen füllt, an ein Aquarium. Weiterlesen

Far I – Die Abwesenheit des Sturms

Das Meer ist still und klar, so wie mein Kopf. Ich erwarte ein Toben und Aufschäumen der Brandung, doch es bleibt aus. Ich wünsche mir, dass diese Ruhe bei mir bleibt, dass der nächste Sturm vorüberzieht und das Meer nicht auseinanderreißt. Ich wünsche mir, dass er schnell und voller Frieden von uns geht – ohne jeglichen Schmerz. Dass unser Schmerz sich um seine Abkunft schert und nicht um unser Unverständnis einander gegenüber. Ich wünsche mir, dass wir wieder zueinander finden und uns nicht entfernen, so wie er. Ich wünsche uns die Stärke, die er immer hatte, den Mut, die Dinge auszusprechen und die Geduld, die wir brauchen. Ich habe einen Ozean voller Wünsche und die meisten sind nicht für mich.

#DHMMeer

Ariels letzten Tage 

Die letzten Tage bin ich von Pai Richtung Süden gereist, was schlaucht. Ich habe drei Stunden geschlafen und sitze im Minivan. Mein Schädel pocht. Aber es geht mir gut. Das erste mal verlasse ich einen Ort nicht wehmütig, sondern euphorisch. Der Gefühlskater der letzten Tage hat sich zurückgezogen. Nach der gestrigen Hikingtour mit der Gruppe zum Wasserfall in Pai ist mein Kopf endlich frei und ich fühle mich leicht.
Ich komme im Regen in Krabi an und realisiere, dass hier noch Monsun herrscht. Kurzzeitig wünsche ich mich in das sonnige Pai zurück und flüchte weiter Richtung Ao Nang und dann nach Railley.
Der Wind zerzaust mein Haar und das warme Salzwasser spritzt in das Longtailboot. Wir steuern auf Railley zu. Das Türkis des Wassers und die grünen Klippen ziehen mich in ihren Bann und lassen mich kurzzeitig alles vergessen -auch, dass es nur noch 4 Tage in Thailand sind.
Die unzähligen, kleinen, hellen Krebse verziehen sich in ihre Löcher im Sand, die aussehen wie Ornamente. Sie überziehen den gesamten Strand, genauso wie Touristen aus den Ressorts. Ebbe und Flut wechseln sich ab.

Shells und Kevin, die ich in Pai kennen gelernt habe, folgen mir nach Railley und dann nach Ton Sai zum Klettern. Doch wie so oft, macht uns der Regen einen Strich durch die Rechnung. So gehen wir nachts bei Regen im warmen Meer schwimmen und sie nennen mich Ariel. Mir hat das Meer im Norden gefehlt, aber nun fehlen mir die Sterne am Himmel und das Alleinsein.
Wir fahren zu dritt in einem Kajak, teilen uns ein Bett in einer Bambushütte, eine Flasche Rum und die erste Lebensmittelvergiftung. Meine letzten Tage verbringe ich mit Übelkeit, Schüttelfrost und zum ersten Mal in meinem Leben mit Heimweh im Bett.
Dieser Ort hier fordert mich und ich denke es wird Zeit nach Hause zu kommen, denn inzwischen bin ich unglaublich müde.

Michael

Pai: Jing umarmt mich zum Abschied und trägt meinen Rucksack in den Minivan nach Pai. 1800 Serpentinen später und im Regen komme ich an. Ich folge einem Mädchen aus dem Minivan in ihr Hostel und werde freundlich in die Gruppe aufgenommen, die ausschließlich aus Backpackern besteht, die Pai nicht mehr verlassen haben. Fast alle sind jünger als ich und sie schätzen mich auch auf Anfang/Mitte 20. Sie fragen, ob das Alter eine Rolle für mich spielt und ich weiß es nicht. Bisher habe ich nie darüber nachgedacht. 
Sie machen es mir leicht dazu zu kommen und dennoch bin ich zu wenig Chameleon. Sie erzählen von ihren Partys und Drogentrips, während der Joint so selbstverständlich rumgeht. Ich verstehe es nicht. Ich verstehe nicht, warum sie sich berauschen müssen um facettenreicher sehen zu können. Mein Kopf ist voll mit Bildern und Emotionen. Das vermeintliche Hippiedorf ist kreiert aus den Illusionen der Menschen hier. Und auch wenn ich anfangs dachte Teil einer Gruppe zu sein, bin ich es nicht. Ich bin wieder der Alien, der mehr will als das. Nur wenige Begegnungen hier berühren mich. Sie sind rar, aber es gibt sie, die Menschen, die mich halten und sich kümmern -wenigstens für den Moment und die Zeit in Pai. 
Ich treffe auf Michael aus Schweden, der seinen 40. Geburtstag mit mir verbringt. Abseits vom Trubel und den Touristen zeigt er mir das Pai, das er in den letzten 6 Monaten für sich erschlossen hat. Es ist anders als das Bild, das ich für mich in meinem Kopf gezeichnet habe. Pai schläft nicht und dabei macht es mich so müde. Aber ich komme nicht zur Ruhe. Alisha und Kevin helfen mir ein wenig dabei und nach 5 Tagen verstehe ich endlich was diesen Ort für alle so magisch macht. Es sind die Begegnungen mit Menschen und ihre Geschichten.
Der Gefühlskater der letzten Tage hat sich zurückgezogen. Mein Schädel pocht, aber es geht mir gut. Das erste mal verlasse ich einen Ort nicht wehmütig, sondern euphorisch.
Danke Michael, Alisha, Kevin und Adrian, dank euch kann ich besser sehen. Und auch allen anderen bin ich dankbar, weil ich jetzt weiß, was ich brauche und was nicht.

It takes a fool to remain sane.
The Ark


Wis – Katzen im Dschungel

Chiang Mai: Für Tag 3 habe ich einen Öko- & Raftingtrip gebucht. Meine Gruppe besteht aus zwei französischen Pärchen, Wis, unserem Guide und mir. Wir starten mit einem Marktbesuch um einzukaufen, unbekanntes Essen zu probieren, das Wis uns wie eine Vogelmutter in den Mund steckt. Wis kann sich ausschließlich meinen Namen merken und so kriege ich quasi eine Sonderstellung.
Es geht zum Rafting. Die Floße sind aus Bambus und die leichten Stromschnellen lassen uns durch den Fluss gleiten. Am Rand steht der erste Elefant, gefolgt von einer Schlange die gefährlich nah an unser Floß kommt und den schwarz-violetten Schmetterlingen, die durch den Dschungel huschen. Ich bin überwältigt von der Natur und ihrer Schönheit. Ehe ich einen Teil davon fassen kann, fahren wir weiter zu einem Wasserfall an dem wir Picknicken und baden.

Im Elefanten Rescue Center sind nur wir und füttern die müde wirkenden Elefanten, die aus anderen Camps gerettet wurden. Die Elefanten drehen auf, als es mit uns in die Schlammgrube und anschließend in den Fluss geht. Ich kriege eine Elefantenumarmung, ein paar kalte Duschen und kurz darauf Bier und Tabak in gerollten, getrockneten Bananenblättern.
Ich kann mit dem Tempo in dem Erlebnisse kreiert werden kaum mithalten. Ich bin wach und fühle mich doch komatös -wie in Watte. An einem Tempel auf einem Berg kann ich kurz entspannen, die Stille genießend.

In Wis Bergdorf angekommen, kochen wir in der Hütte seiner Eltern über offenem Feuer und zelebrieren das Essen.
Der Abend klingt am See aus, wo wir eine chinesische und Laterne in den sternenklaren Himmel steigen lassen. Der Dschungel ist stockdunkel und die Grillen unglaublich laut. In meiner Bambushütte erwartet mich eine große Kakerlake, die etwas in Rage gerät, als ich sie anläuchte, also lösche ich das Licht. Ich bin zu müde um mich zu ekeln und schlafe, durch mein Moskitonetz geschützt, ein.
Die Nacht ist kurz und der Boden hart. Wir starten unsere Trekkingtour bei der Wis uns viel über die heimischen Kräuter und ihre Wirkung erzählt. Hinter jedem Aufstieg erwartet uns ein neues Panorama. Der Boden ist meist terrakotta und die Farben des Dschungels schillernd.

Es gibt keine Worte, die das Erlebte beschreiben können und ich wünschte ich könnte die stetig wachsenden Bilder in meinem Kopf auf Papier projizieren, skizzieren, was ich sehen kann.

Nach wenigen Stunden ist mein Kopf das erste mal leer und ich habe das Gefühl aufzuwachen und sehen zu können. Wir veranstalten ein Barbecue mit frischem Fisch, den wir ausnehmen, im Wald und wandern weiter zu einer Höhle mit Tropfsteinen und unzähligen Fledermäusen, die an mir vorbeifliegen. Begeistert von der Komposition, bin ich die einzig Mutige, die mit Wis den Aufstieg wagt und in das innere der nächsten Höhle klettert. Er sagt Rox, so wie der Stein, stark -und mutig. Die Tour über brauche ich keine Hand, die mir hilft und ich habe keine Angst. Es gibt Wege, die mir leicht fallen zu beschreiten und Stellen an denen ich kurz verweile, um zu überlegen welchen Schritt ich setze.
Mit wundervollen Erinnerungen im Gepäck machen wir uns auf den Weg zurück nach Chiang Mai, während im Radio „She lala“ läuft und die Franzosen mitsingen, als ob sie eine etprobte Uni-Accapellaband wären.

SHE MOVES HER BODY,MOVES HER FEET SHE FEELS THE RHYTHM LIKE IT IS HER HEARTBEAT UP AND DOWN, SHE JUMPS TO THE BEAT SHE IS LIVING IN HER FANTASY
SHE MOVES (LA,LA,LA Song)

Zurück im Hostel erwartet mich Jing, der Koreaner und will alles über die Tour wissen. Mir wird bewusst, dass ich morgen schon wieder weiter ziehe und werde ein wenig melancholisch. So schlafe ich erschöpft ein.

Bonnie und Clyde in Chiang Mai 

Chiang Mai: Ich sitze im Roxpresso und freue mich über den wunderbaren Muffin und Cappuccino, der so liebevoll angerichtet ist, dass ich ihn kaum trinken mag. 

Ich befinde mich in Chiang Mai in Nähe der Kunstuni, inmitten unzähliger Gallerien und damit in meinem persönlichen Paradies. Nur mein Hostel ist eine Hochburg für Koreaner, die bisher wenig sozial sind. Und tatsächlich bin ich hier kein Alien, sondern nur einer der unzähligen Touristen. Es fällt schwer mit jemandem etwas länger zu sprechen, da alle immer irgendwo hin unterwegs sind. 

So dann auch ich. Ich laufe über den Samstagsmarkt und dann haben sie mich in ihrer Touristenfalle. Ich kann dem bunten Leuchten nicht widerstehen und verfalle in einen kurzen Shoppingrausch und ersteigere mein erstes Gut, eine Haremshose. Doch nach kurzer Zeit strengen mich die Menschenmassen an und ich flüchte zurück, da ich für meinen Kochkurs am darauffolgenden Tag fit sein muss.
Die Koreaner sind immer noch wenig an mir interessiert und auf der Suche nach etwas Heimatgefühl lande ich in einem Bistro, wo amerikanische Weihnachtsmusik läuft und Benedict Eggs serviert werden. Beim rausstolpern frage ich dreist einen Amerikaner, ob er zufällig Lust hat mich mit seinem Moped in Richtung Hostel mitzunehmen und das macht er.
Mein Kochkurs macht Spaß und ich bin froh über etwas soziale Interaktion. Es gibt viele Geachichten, die jeder erzählen kann, aber vor allem die von Bonnie aus Australien fasziniert mich und so stehlen wir uns durch die Nacht, spazieren über den Nachtmarkt und trinken Bier.

Bonnie ist 34, Krankenschwester, reisebegeistert und -erprobt. Morgen reist sie wieder nach Bangkok, um ihrer Freundin im Krankenhaus bei zu stehen. Und genau das beschreibt sie so gut, sie steht anderen bei und ist eine Bereicherung für jeden, der sie kennen lernen darf. Bonnie geht wie ich andere Wege und ist authentisch. Sie erklärt mir wie lange sie gebraucht hat, sich so zu akzeptieren wie sie ist und sich nicht mit ihren Freunden, die verheiratet sind und Kinder haben zu vergleichen. Und sie schätzt es, dass ich das bereits habe und mein Leben lebe. Sie sagt, es sei meine positive Energie oder Aura, die einige Menschen spüren, die mich unter den Aliens herausstechen lässt. Vielleicht.
Berauscht von diesem Abend und Bonnies Worten mache ich mich auf den Heimweg und werde zu meiner Überraschung von Jing, einem der Koreaner auf einen Schlummertrunk eingeladen. Ich nehme ihn dankend an und falle anschließend müde und glücklich ins Bett.

Hi my lovely! It’s Bonnie from cooking school! Is this you? 
If so had a sehr gut time cooking and beer getrunken mit du….
You’re such a honest real soul living out your life authenticity and that’s such a rare and beautiful thing. 
Much love, enjoy your travels ❤️
Bonnie

Dang – Nur ein Leben

Phrae: Eher unbeabsichtigt lande ich mit dem Minivan -für den sogar ich zu groß bin- in Phrae, da alle Busse nach Chiang Mai voll sind. Da ich ja improvisieren kann, geht es halt weiter ohne Plan in die zwei Stunden entfernte Stadt Phrae, in der die freundlichsten Menschen Thailands leben sollen.

Vom Bahnhof aus laufe ich also los Richtung Altstadt und zu einer preiswerten Unterkunft, die in meinem lonely planet von 2012 angegeben ist und lande vor verschlossenen Türen. Also laufe ich klitschnass, da es schwül ist und mein am Vorabend gewaschenes Shirt noch nass, weiter zum nächst besten Hostel. Das nächste ist mir zu teuer, dafür, dass ich eigentlich gar nicht hier sein will. Immerhin sind die Leute, die ich nach dem Weg frage wirklich nett und sprechen zum Großteil Englisch.

Bei der dritten Unterkunft, die aus dem für Phrae typischen Teakholz besteht und ganz apart aussieht, kapituliere ich vor dem Wetter und meinen Muskelkater von der Trekkingtour in Nan. Ich nehme das preiswerteste Zimmer, was eher einer dreckigen Besenkammer ähnelt, um dann doch die teurere Kategorie zu nehmen und das Zimmer weitere drei Male zu tauschen, weil entweder das Bad voller Ameisen ist, das Bett dreckig oder Ventilator und Kühlschrank nicht funktionieren. Am Ende erwische ich das geringste Übel, bin froh duschen zu können und denke, es ist nur für eine Nacht. Die letzte Woche habe ich echte Glücksgriffe gemacht und bereue bereits nicht in Nan geblieben zu sein. So bin ich wenigstens genötigt mir etwas von der Stadt anzusehen und verlasse mein Zimmer ohne etwas auszupacken.

Draußen steht Dang, gut und teuer gekleidet, der mich in wirklich schlechtem Englisch fragt wo ich hin will. Als ich mit den Schultern zucke, deutet er mir an auf sein Moped zu steigen. Als ich zögere, sagt er noch „for free“. Ich steige auf, wie so oft in den letzten Tagen ohne zu wissen wo wir hinwollen. Da gefühlt alle besser angezogen sind als ich und nicht total verlottert aussehen, denke ich immer was sollten sie mir schon nehmen, aber ich bleibe vorsichtig und skeptisch -vor allem nach Bangkok.

Dang zeigt mir alle Sehenswürdigkeiten, die Phrae zu bieten hat, schickt mich in ein Museum und in einem Tempel. Die Damen und Dang freuen sich als ich den gestellten Rock zusammenlege und eine kleine Spende einwerfe.

An dem nächsten Tempel treffe ich einen Mönch, der mich fragt was ich mache, wo ich hin will und mit wem. Als ich ihm erzähle, dass mich Dang begleitet sagt er nur, das sei nett und er versteht. Ich verstehe nichts und bin irritiert darüber, dass uns der Mönch so lange hinter her guckt.

Dang kauft unterwegs etwas zu essen und trinken und fährt mit mir zu einem kleinen Platz am See, wobei mir erst etwas mulmig wird, als er auf ein Privatgrundstück fährt. Unsere Kommunikation funktioniert nicht wirklich und ich bin skeptisch bei so viel Freundlichkeit. Kurz darauf fahren wir auch schon wieder weiter – wohin auch immer. Wir landen vor einem großen gepflegten Haus bei dem er klingelt. Unweigerlich glaube ich, dass er mir nun seinen Sohn vorstellen will. Ich soll mich irren, denn es ist ein Freund, der sehr fließend Englisch spricht und zwischen uns vermittelt. Dang will wissen, was ich sehen und essen möchte. Ich möchte wissen, warum Dang so nett zu mir ist und frage.

Wir leben nur einmal und können versuchen das beste aus unserem Leben zu machen. Er ist einfach nur freundlich.

Die beiden bringen mir noch bei auf thailändisch Danke zu sagen und freuen sich sehr als es mir gelingt. Dang fährt mich zurück zum Hostel um mich nachmittags wieder abzuholen und mit mir zu Abend zu essen. Ich frage mich, ob er nicht arbeiten muss….

Nachdem Dang eine Weile mit mir flanieren fährt – er scheint ein bunter Hund in der Stadt zu sein – geht es weiter zum Nachtmarkt und er freut sich das ich etwas typisch Nordthäiländisches essen möchte. Es gibt kanomjeen (eine Reisnudelsuppe) und kow som (sauren Reis). Nach 10 Minuten Fahrt und dem Verlassen der Stadt werde ich unruhig. Das ist nicht das erste Mal an diesem Tag. Ich weiß nicht warum ich so misstrauisch bin und es mir neuerdings schwer fällt zu vertrauen oder an reine Gutmütigkeit zu glauben. Vielleicht hätte ich doch das Buch, den kleinen Taschenbuddhisten, mitnehmen sollen. Wir fahren an Polizeistationen und unzähligen Indigo-Klamottenläden vorbei bis er vor einem verschlossenen Tor hällt. Dann sagt er sein Sohn wohnt dort und ich frage mich wieder, ob das nun gut oder schlecht ist. Daneben ist ein Streetfoodstand und Dang kauft wieder Essen für uns. Diesmal süßes Toast mit Milch. Sein Sohn und die Freundin öffnen schließlich das Tor und bitten uns rein. Da sitze ich nun, trinke heiße Milch, verstehe nichts und google sicherheitshalber meinen Standort, den ich Hannes schicke. Ich glaube er ist besorgt und ich bin es auch – und verwirrt. Aber Hannes Besorgnis lässt mich ruhiger werden, das funktioniert immer so, wenn ich ihm rational erkläre, dass alles gut ist und es dann selber glaube. Nachdem ich noch für ein Foto herhalten darf, fährt Dang mich zurück zu meinem Hostel. Ich frage mit Hilfe eines Übersetzers warum er alles bezahlt und er so nett zu mir ist und er lächelt nur. Ich gebe ihm etwas Geld für das Essen, das er widerwillig annimmt.

Am nächsten Morgen holt Dang mich um 8 Uhr ab um mich zum Bus zu bringen. Er bringt mir Frühstück mit, thailändische Reis-Poffertjes mit Schnittlauch – glaube sie heißen somdam. Ich frage ihn, ob ihm das Hostel gehört und er nickt.

Als wir uns am Busbahnhof verabschieden gibt mir Dang seine Adresse und Telefonnummer für den Fall, dass ich Hilfe brauche sowie seinen Schal als Geschenk. Ich bin gerührt und sprachlos. Ich bin dankbar.

Wir leben nur einmal und können versuchen das beste aus unserem Leben zu machen. Wir können andere Kulturen kennen lernen, wir können Menschen begegnen und unseren Horizont erweitern. Und wir können uns Überraschen lassen, indem wir vertrauen schenken, an das Gute in jedem glauben, mutig und offen sind.

Ann, Sun und Bom – Offene Türen

Nan: Es ist 6 Uhr morgens und ich bin mit Bom auf seinem Moped unterwegs zum Wat Phra That Chae Haeng. Es ist vergleichsweise frisch, der Nebel hängt über den Städten um Nan und in der Ferne ist Laos zu erkennen. Die Sonne bricht langsam durch die Wolkendecke, es ist still und verschlafen, so wie Nan. Doch die Aussicht ist fantastisch, genau wie die Menschen hier. 

Als ich gestern früh um 6 ankomme, schläft die Stadt noch. Ich frage mich, nachdem ich gut eine Stunde meine Unterkunft -mal wieder ohne mein Handy und mobile Daten- durch, werde sogar mit dem Moped mitgenommen, um wieder bei der Busstation zu landen. Das Ganze passiert gleich zweimal und die Taxifahrer wollen mir den Weg nicht sagen. Also laufe ich weiter bis mich ein Junge im gelben Trikot wieder dahin schicken will, so wie es ihm seine Mutter wohl sagt. Mit Händen und Füßen versuche ich zu erklären, dass ich laufen will. Er schiebt mich weiter Richtung Busstation. Als wir aus Sichtweite seiner Mutter sind googelt er den Weg und zeigt in irgendeine Richtung. Nach 5 Minuten kommt er auf seinem Moped an und deutet an mich zu bringen. Er fragt unzählige Menschen nach dem Weg und ich glaube schon, dass es meine Unterkunft gar nicht gibt. Aber der kühle Fahrtwind stimmt mich gnädig und ich bin bereit dem Jungen im gelben Trikot den überteuerten Betrag, den der Taxifahrer haben wollte, für seine Mühe zu geben. Nach einer guten Ewigkeit und tausendmal im Kreis fahren, weiß ich gar nicht mehr wo wir sind, aber wir haben Sundaras Guesthouse erreicht und bevor ich mich bedanken kann, ist der Junge im gelben Trikot auch schon weg und ruft bis bald.
Ann und Sun, meine Gastgeber, kümmern sich so liebevoll um mich und alles andere, dass es mich fast überfordert. Den Kontakt hat Vivi aus Bangkok hergestellt, ebenso wie zu Bom, der es sich zu seiner persönlichen Aufgabe gemacht mir alles zu zeigen in Nan und der Umgebung. So bringt er mich zum Essen auf den Nachtmarkt, in sein traumhaftes Restaurant zum musizieren, zum Wildreservat Tham Phah Tup, ca. 10 km nördlich von Nan und in das nahegelegene Café Ban Phakhin.
Nach 4 Stunden Trekking inklusive Klettern ist mein Kopf endlich frei und mein Körper erschöpft. Bom holt mich ab und wir fahren nach einem Eiskaffee zurück. Den kühlen Fahrtwind im Gesicht, euphorisch und erschöpft, genieße ich die Aussicht, denke an die Landschaft Portugals und freue mich mal wieder über so viel Gastfreundschaft, die beim gemeinsamen Abendessen mit Ann und Sun ihren Höhepunkt findet.
Morgen geht es nach Chiang Mai.

Über 

Baan Mung Kan
: Mitten im Wald, den Weg mit Hängematten und Laternen verziert liegt Boms hölzernes Café. Der Ort ist traumhaft und Boms Musik passt dazu. Bom hat ebenfalls ein Hostel namens Hug Her Him, daneben ist er Musiker, spielt ab und an in seiner Bar und ist ein herzensguter Mensch.

Sundaras Guesthouse: Heißt so viel wie Schönheit und ist ein kreativer und entspannter Ort zum Verweilen. Ann und Sun sind nämlich Künstler, und Sundara ihr Atelier.

Vivi und Bove

Ich bin dem Rat meiner Gastgeberin Vivi gefolgt, sitze nun im Nachtbus nach Nan und freue mich sehr über das VIP Ticket für umgerechnet 7 Euro mehr als regulär, da ich mit einer Klimaanlage, Nackenhörnchen, flexiblen Sitzen, Fußstütze und einem Fresspacket, Wasser und Saft belohnt werde. Oh korrigiere wir halten um 2 Uhr an und kriegen noch mal richtiges Essen. Das ist definitiv komfortabler als der Flug war. Ich könnte sogar Filme auf thailändisch gucken. 
Die kleine Provinz Nan liegt im Norden Thailands und jeder Thailänder dem ich erzähle, dass ich genau dahin fahre, ist erst einmal irritiert. Der Alien ist eben nicht der klassische Tourist…
So kommt es dazu, dass ich gestern Abend noch mit meinen beiden Gastgebern Vivi und Bove in einer japanischen Kneipe abgestürzt bin. Nachdem wir uns im Garten meiner temporären Heimat uns über Musik, Träume, Ziele und Familie unterhalten, beschließen die zwei mir einen Teil ihrer (Feier-)Kultur zu zeigen. Die Kneipe gehört Freunden, die uns japanische Snacks wie Seetang, Popcorn mit Wasabiaioli etc. verköstigen und natürlich japanischem Bier. Ich tauche ein, lass mich mitreißen und treiben. Das funktioniert so gut, das mir von meiner ersten Tuk Tuk Fahrt zurück ganz schlecht wird. Ich freue mich trotzdem sehr und bin gerührt von Vivi und Boves Gastfreundschaft.

Trotzdem bin ich jetzt froh aus Bangkok raus zu sein. Gebührend habe ich mich heute noch von Big Buddha verabschiedet und Elsa aus Frankreich kennen gelernt, die mich durch ihre entspannte und aufrichtige Freundlichkeit beeindruckt. Ich versuche es ihr gleich zu tun.

Greif ich nach deiner Hand oder soll ich dich erst fragen, was macht dein Leben interessant? Sind es die Schritte, die wir wagen?
Redensart, Gedankenstolpern

© 2018 Susy

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