KategorieGedankenstolpern

Hier findet ihr mal mehr, mal weniger tiefsinnigere Gedanken, dir mich umtreiben. Anekdotisch, unkonventionell und selten auf Fakten beruhend.

Halfway

Vorwort

Halfway bedeutet “Halbwegs” oder auch “auf halbem Weg” und ist der Titel eines Artikels von Karsten Buckstegge. Ich habe den Gedanken in letzter Zeit oft zitiert, wenn ich mit Leuten über das Thema Nachhaltigkeit gesprochen habe. Aus diesem Grund habe ich Karsten gefragt, ob ich eine Übersetzung anfertigen kann und diese hier im Blog posten darf.

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Far II – Auf einen letzten Tee in Zimmer Nr. 5

Es ist der 4. Mai, 7.46 Uhr. Der Korridor ist menschenleer und doch ist es laut. Das permanente Piepen wird zu einem Ton. Es erinnert mich an eine Pumpe und der Korridor, der sich langsam mit Menschen füllt, an ein Aquarium. Weiterlesen

Far I – Die Abwesenheit des Sturms

Das Meer ist still und klar, so wie mein Kopf. Ich erwarte ein Toben und Aufschäumen der Brandung, doch es bleibt aus. Ich wünsche mir, dass diese Ruhe bei mir bleibt, dass der nächste Sturm vorüberzieht und das Meer nicht auseinanderreißt. Ich wünsche mir, dass er schnell und voller Frieden von uns geht – ohne jeglichen Schmerz. Dass unser Schmerz sich um seine Abkunft schert und nicht um unser Unverständnis einander gegenüber. Ich wünsche mir, dass wir wieder zueinander finden und uns nicht entfernen, so wie er. Ich wünsche uns die Stärke, die er immer hatte, den Mut, die Dinge auszusprechen und die Geduld, die wir brauchen. Ich habe einen Ozean voller Wünsche und die meisten sind nicht für mich.

#DHMMeer

Haut

Die Wirbel in einer Reihe und den Rucksack voller Scones, trägst du dich nach Hause. Legst alles ab, auch die guten Manieren. Nur aus deiner Haut kannst du nicht.

Du vergisst dich zu bedanken, hörst auf dich zu entschuldigen, versuchst dich nicht einmal mehr zu erklären. Ich sehe mich in dir und bin doch so blind. Aber es geht nicht um mich.

Die Trauerweiden bilden einen Vorhang vor dem strahlend blauen Himmel. Es sieht aus wie ein Schwall voller Tropfen, die den Boden nicht erreichen.

Zwischen Alltag und Fernweh oder die zickende Tightbombe

Wir sind wieder in Hamburg angekommen und doch irgendwie nicht. Ich war nicht bereit wiederzukommen, weil ich dachte einen Haufen Mess hier gelassen zu haben. Doch mich hat keiner gefragt, ob ich wiederkommen möchte. Es ist der Moment in dem du den Anruf kriegst, von dem du wusstest, dass er früher oder später kommt. Und du funktionierst, fährst los und hinterfragst nichts. Weiterlesen

28 Tage

Dein Grau durchzieht die tiefweiße Landschaft. Dein Nebel hängt über meinem Kopf und versperrt mir die Sicht. Dein kalter Atem fährt mir durchs Gesicht. Der Schnee lähmt meine Schritte. Deine harte Hand vom Wind geführt lässt mich zittern. 28 Tage verweilst du unter uns. Du betrübst mich.

Manchmal

Manchmal wünsche ich mir, dass du mir den Strand entlang hinterherkommst. Manchmal wünsche ich mir, dass du wieder mehr Musik machst. Manchmal wünsche ich mir, dass wir barfuß im Regen tanzen. Manchmal wünsche ich mir, dass wir uns nachts die Sterne anschauen und nicht auf das nächste Mal warten, weil wir zu müde sind. Manchmal wünsche ich mir, dass wir weniger auf morgen schieben und weniger an gestern denken. Manchmal wünsche ich mir mehr Bewusstsein für diese Momente und mehr Elan um dich mitzureißen. Und häufig ist alles einfach gut, genau so wie es ist.

Woanders 

Ende 2017: Innerhalb von einer Woche fliegen wir von Málaga nach Hamburg und Montepellier. Den Kopf über den Wolken, doch unser Geist immer noch am letzten Ort.
Wir verbringen die Feiertage mit unseren Familien in Hamburg und das neue Jahr bei Freunden in Frankreich und fühlen uns geborgen, heimisch, mit einem Gefühl der Vertrautheit und einer Spur Nostalgie. Doch ich fühle mich nicht zuhause. Mich überkommt eine bleiernde Müdigkeit ebenso wie die Frage, was ich hier überhaupt mache. Hamburg peitscht mir seinen kalten Atem ins Gesicht und ich bin nicht gewillt meine andere Wange hinzuhalten. Hamburg ist nass und grau, so wie ich es gewohnt bin und es mir ausgesucht habe. Doch nach der Euphorie der letzten drei Monate bin ich immer noch nicht satt. Es geht nicht darum nach dem mehr zu suchen, sondern einfach mal weiter zu laufen, auch wenn man müde ist, nicht zu stagnieren und die Augen offen zu halten und zu finden, was man nicht gesucht hat, das aber genau passt und irgendwie vollkommen ist.
Doch bevor ich diesen Gedanken überhaupt fassen kann, verlassen wir Hamburg auch schon wieder und begeben uns in die kalten, aber zärtlichen Hände Frankreichs und unserer Freunde.

Woanders weiß man selber wer man ist, hier wissen es die anderen. Das ist Heimat.
Film „Sommerfest“, von Sönke Wortmann, Deutschland, 2017.

Heimathafen II

Und wir fahren nach Hause in’s Hafengebiet und singen ein trauriges Seefahrerlied über Fernweh, die Wellen und unsere Heimat am Meer. Über Liebe, den Hass und den heiligen Geist, die Möwe, die dir auf dein Autodach scheißt. Irgendwann kommen wir sicher, ganz sicher mal wieder hier her und trinken die Minibar leer.
Monsters of Liedermaching, Seefahrerlied

Hamburg: So kommen wir nach Hause um dann doch nur wieder weiter zu ziehen und gen Süden zu fliehen. Susy ist abgegeben und wartet die nächsten zwei Wochen in Málaga auf uns und ich werde leicht schwermütig bei dem Gedanken sie zurück zu lassen. Hamburg selbst scheint mir momentan wenig verlockend -kalt, grau und fremd. Überall weihnachtet es…
Die letzten Teile werden aus meiner alten Wohnung geholt, bevor sie endgültig übergeben wird. Ich bin froh, wenn ich die damit einhergehende Verbindlichkeit endlich los bin. Zuletzt hat es an mir gezerrt. Ich hänge lieber in der Luft als an alten Gewohnheiten oder Mauern. Vielleicht bin ich ein Vagabund, vielleicht ein Träumer, vielleicht eine Heimatlose, aber egal in welche Schublade man mich steckt, ich bin frei.

Gedankenwerkstatt

In meiner Werkstatt töpfere ich einen Schrein für meine Gedanken und forme verschiedenste Skulpturen. Surreal und enorm, angsteinflössend und hässlich. Ihre Fratzen schreien, ihre Augen sind Hohlräume für Geister.
Die Werkstatt ist ein gemauertes Gefägnis ohne Türen und Fenster. Ich nehme einen Vorschlaghammer und reiße alles nieder. Die Monster sind verstummt. Alles liegt in Trümmern. Die Träume verkauft für einen Haufen Steine.

© 2018 Susy

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