KategorieGedankenstolpern

Hier findet ihr mal mehr, mal weniger tiefsinnigere Gedanken, dir mich umtreiben. Anekdotisch, unkonventionell und selten auf Fakten beruhend.

Gedankenwerkstatt

In meiner Werkstatt töpfere ich einen Schrein für meine Gedanken und forme verschiedenste Skulpturen. Surreal und enorm, angsteinflössend und hässlich. Ihre Fratzen schreien, ihre Augen sind Hohlräume für Geister.
Die Werkstatt ist ein gemauertes Gefägnis ohne Türen und Fenster. Ich nehme einen Vorschlaghammer und reiße alles nieder. Die Monster sind verstummt. Alles liegt in Trümmern. Die Träume verkauft für einen Haufen Steine.

Weißt du…?

Weißt du noch, als wir jung waren und das Abenteuerlied gesungen haben, weil das unsere Hymne der Freiheit war? Weißt du noch, wie wir unsere Baumhäuser im Wald gebaut haben, so wie Erwachsene ihre Häuser bauen? Weißt du noch, wie ich dir abends Kakao ans Bett gebracht habe, damit du schlafen kannst? Weißt du noch, wie wir fliegen wollten und im Bett geübt haben ein Flugzeug zu steuern? Weißt du noch wie, wir alle Quallen am Strand eingesammelt haben, um uns dann damit zu bewerfen? Weißt du noch, wie du mir hinterher ins Wasser gesprungen bist und ich dich rausziehen musste, weil du noch gar nicht schwimmen konntest? Weißt du noch, dass du mir alles nachgemacht hast, nicht weil es gut war, sondern weil du das Vertrauen in mich hattest, dass alles gut wird.

Heimathafen I

Es liegt auf der Hand und ich hoffe Ihr wisst:
Die Heimat ist da, wo Dein Netzanschluss ist –
und Dein Bett [..] und dieses bestimmte Gefühl.
Monsters of Liedermaching, Seefahrerlied.

Mit dem Rucksack, einem leeren Magen, dehydriert und der Übelkeit der letzten Tage im Gepäck klettere ich die obere Felswand entlang, die Ton Sai und Railley verbindet. Die Ebbe hat noch nicht eingesetzt und wir müssen rüber zu unserer Fähre nach Phuket. Ich laufe einfach weiter, klettere und wate schließlich  mit meinen Turnschuhen durch das knietiefe Wasser. Ich habe mich von der Vorstellung verabschiedet, dass sie vor dem Flug irgendwann trocknen.
Ich dachte immer, ich sei bereits stark, aber ich wachse weiter und in Situationen wie diesen über mich hinaus. Unser Geist kann vieles tragen und unser Körper ertragen.
Thailand lässt mich nach 12 Stunden am Flughafen endlich gehen, doch bis Hamburg soll es 2 zwei Tage dauern, weswegen ich gleich nach Málaga fliege -voller Vorfreude sowie Aufregung, aber dreckig und erschöpft. 
Ich möchte nach Hause. Aber in Hamburg habe ich kein Bett mehr, nur noch das Schlafsofa in der sonst leeren Wohnung, den Telefon- und Internetanschluss gekündigt – ebenso die Wohnung. Die Heizung funktioniert nicht mehr und Licht gibt es auch nur noch im Flur. Ich habe Freunde und Familie in Hamburg und doch denke ich, dass meine Reise noch nicht vorbei ist -ich folge meinem Gefühl nach Málaga.

Sommersprossen 

Ich schaue auf meine Hände, sie sind voller Sommersprossen. Sie erinnern mich an die Begegnungen meiner Reise, die nach einer Weile verblassen werden. 
Vielleicht aber bleiben einige bestehen. Vielleicht kommen einige mit dem nächsten Sommer wieder und erinnern mich. Vielleicht herrscht in mir unbezwingbarer Sommer. Vielleicht.

Urlaub

Ich werde oft gefragt, wie denn mein Urlaub ist und was ich so alles schon erlebt habe.

Meine Antwort ist dann immer:
Ich mache keinen Urlaub. Ich lebe.

Die Wahrheit ist natürlich, dass ich probiere mir einen Lebensstil an zu eignen, den andere vermutlich durchaus als Urlaub bezeichnen würden. Aber die Wahrheit ist auch, dass ich zur Zeit vier Tage die Woche, acht Stunden am Tag für meinen Auftraggeber in Hamburg arbeite.

Darüber hinaus treibt mich mein  Schaffensdrang auch danach noch dazu, schöpferisch tätig zu werden. Ich mache Musik, erstelle Open Source Software und suche nach dem letzten Kniff wie ich mit meinem Bruder eine eigene Firma aufbauen kann mit der wir unsere Regenbogeneinhornponnywelt verwirklichen können.

Foto vom Beifahrersitz auf die Autobahn, mit Laptop auf dem Schoß

Daneben bleibt tatsächlich gar nicht so viel Zeit zum “erleben” im touristischen Sinne. Ich bin langsamer unterwegs als ein normaler Urlauber, der probiert in möglichst kurzer Zeit möglichst viel zu sehn. Ich genieße es oft einfach an Wunderschönen orten zu “sein” und wenn es nur 5 Minuten sind.

Das letzte Wochenende habe ich zum Beispiel mit guten Freunden in San Sebastián verbracht. Eine wundervolle Stadt voller Surfer und Pintxos-Bars. Einen Großteil der Zeit  habe ich damit verbracht an meinem Mac zu sitzen und einen Song fertig zu arrangieren, der schon viel zu lange auf meine Aufmerksamkeit gewartet hat.

Das mag für einige nach verschwendeter Zeit an diesem großartigen Ort klingen. Aber mir gibt es ein schwer zu beschreibendes Gefühl von Freiheit. Ich muss diesen Ort nicht bis ins letzte erkunden, den Reiseführer abarbeiten. Ich könnte – sicher. Aber ich habe eben so die Freiheit einfach das zu machen was mir gerade wichtig ist.

Ich fahre nicht durch Europa um dann nach Hause zu kommen und davon zu erzählen. Ich mache wenig Fotos und schreibe kein akribisches Tagebuch. Ich suche viel mehr nach Ideen und Inspiration. Nach Reflexionen und Erkenntnissen. Eine von diesen lest ihr gerade.

Ich mache keinen Urlaub. Ich erlebe Freiheit.

Begegnungen 

Wie vielen Menschen kann man in vier Wochen begegnen? Wie viele Menschen kann man in der Zeit kennen lernen? Wie viele lieben lernen? Und wie viel bleibt davon übrig?

Gefühlskater 

Der Gefühlskater hat mich fest im Griff. Es ist das turbulente Chaos zwischen Euphorie, Glück, Sehnsucht, Erschöpfung und Unsicherheit. Meine Neugier treibt mich. Ich suche bewusst nichts und vieles findet mich. Vielleicht spüren die Menschen hier meine Unsicherheit und Erschöpfung oder die Energie und Neugier, das aufrichtige Interesse an ihrer Kultur und den Respekt, den ich versuche zeigen. Ich weiß es nicht. Inzwischen würde ich sagen, dass ich weniger ein Alien bin als vielleicht ein Chamäleon. Oder eine Katze, denn bei Nacht sind alle Katzen grau.

Fliegen 

Ich spann meine Flügel und will fliegen – weit fort. Doch ich bin nicht leicht. Etwas fehlt. Ich schmecke nichts, sehe nichts, höre nichts, fühle nichts.
Du bist das Gewürz, die Schönheit, die Musik, das Gefühl. Du bist Leichtigkeit. Du bist wie die Sterne in der Ferne. Und Sehnsucht ist wie ein fernes Land.

Freischwimmer 

Ich liege seit 6 Uhr wach, habe 4 Stunden geschlafen und frage mich wie lange so ein Jetlag eigentlich dauert. Geduld ist ja nicht so meine Stärke…Zwei Stunden später sitze ich in einem Café und trinke meinen ersten Latte Macchiato seit Tagen – vielleicht bringt der mich nach vorn. Vivi, meine Gastgeberin hat mich gestern so sehr mit Informationen erschlagen, dass ich jetzt noch weniger weiß wo ich als nächstes hinmöchte. Freischwimmen muss man wohl auch erst einmal lernen.

Warten 

Ich warte darauf, dass meine Nummer aufgerufen wird trotz des im vorwege vereinbarten Termins warte ich – und warte. Ich warte.
Ich warte auf meinen Reisepass, eine Neuausstellung, unbeschrieben wie eine leere Landkarte und frage mich, worauf ich so lange gewartet habe.

© 2019 Susy

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