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Zwischen Alltag und Fernweh oder die zickende Tightbombe

Wir sind wieder in Hamburg angekommen und doch irgendwie nicht. Ich war nicht bereit wiederzukommen, weil ich dachte einen Haufen Mess hier gelassen zu haben. Doch mich hat keiner gefragt, ob ich wiederkommen möchte. Es ist der Moment in dem du den Anruf kriegst, von dem du wusstest, dass er früher oder später kommt. Und du funktionierst, fährst los und hinterfragst nichts. Weiterlesen

Snackable Content

Ich lese gerade einen Kurzartikel bzw. Teaser über Snackable Content. Und genau darin findet sich schon die Definition. Kernbotschaften werden in kurzen, knackigen Sequenzen, z. B. über Facebook, Twitter oder andere soziale Dienste in die digitale Welt posaunt -schön in leicht verdaulichen Häppchen. Und auch ganze Geschichten können so produziert und vom User konsumiert werden, was sich im Marketing ja bekanntlich Story Telling nennt. Prost-Mahlzeit! Weiterlesen

28 Tage

Dein Grau durchzieht die tiefweiße Landschaft. Dein Nebel hängt über meinem Kopf und versperrt mir die Sicht. Dein kalter Atem fährt mir durchs Gesicht. Der Schnee lähmt meine Schritte. Deine harte Hand vom Wind geführt lässt mich zittern. 28 Tage verweilst du unter uns. Du betrübst mich.

Manchmal

Manchmal wünsche ich mir, dass du mir den Strand entlang hinterherkommst. Manchmal wünsche ich mir, dass du wieder mehr Musik machst. Manchmal wünsche ich mir, dass wir barfuß im Regen tanzen. Manchmal wünsche ich mir, dass wir uns nachts die Sterne anschauen und nicht auf das nächste Mal warten, weil wir zu müde sind. Manchmal wünsche ich mir, dass wir weniger auf morgen schieben und weniger an gestern denken. Manchmal wünsche ich mir mehr Bewusstsein für diese Momente und mehr Elan um dich mitzureißen. Und häufig ist alles einfach gut, genau so wie es ist.

Woanders 

Ende 2017: Innerhalb von einer Woche fliegen wir von Málaga nach Hamburg und Montepellier. Den Kopf über den Wolken, doch unser Geist immer noch am letzten Ort.
Wir verbringen die Feiertage mit unseren Familien in Hamburg und das neue Jahr bei Freunden in Frankreich und fühlen uns geborgen, heimisch, mit einem Gefühl der Vertrautheit und einer Spur Nostalgie. Doch ich fühle mich nicht zuhause. Mich überkommt eine bleiernde Müdigkeit ebenso wie die Frage, was ich hier überhaupt mache. Hamburg peitscht mir seinen kalten Atem ins Gesicht und ich bin nicht gewillt meine andere Wange hinzuhalten. Hamburg ist nass und grau, so wie ich es gewohnt bin und es mir ausgesucht habe. Doch nach der Euphorie der letzten drei Monate bin ich immer noch nicht satt. Es geht nicht darum nach dem mehr zu suchen, sondern einfach mal weiter zu laufen, auch wenn man müde ist, nicht zu stagnieren und die Augen offen zu halten und zu finden, was man nicht gesucht hat, das aber genau passt und irgendwie vollkommen ist.
Doch bevor ich diesen Gedanken überhaupt fassen kann, verlassen wir Hamburg auch schon wieder und begeben uns in die kalten, aber zärtlichen Hände Frankreichs und unserer Freunde.

Woanders weiß man selber wer man ist, hier wissen es die anderen. Das ist Heimat.
Film „Sommerfest“, von Sönke Wortmann, Deutschland, 2017.

Heimathafen II

Und wir fahren nach Hause in’s Hafengebiet und singen ein trauriges Seefahrerlied über Fernweh, die Wellen und unsere Heimat am Meer. Über Liebe, den Hass und den heiligen Geist, die Möwe, die dir auf dein Autodach scheißt. Irgendwann kommen wir sicher, ganz sicher mal wieder hier her und trinken die Minibar leer.
Monsters of Liedermaching, Seefahrerlied

Hamburg: So kommen wir nach Hause um dann doch nur wieder weiter zu ziehen und gen Süden zu fliehen. Susy ist abgegeben und wartet die nächsten zwei Wochen in Málaga auf uns und ich werde leicht schwermütig bei dem Gedanken sie zurück zu lassen. Hamburg selbst scheint mir momentan wenig verlockend -kalt, grau und fremd. Überall weihnachtet es…
Die letzten Teile werden aus meiner alten Wohnung geholt, bevor sie endgültig übergeben wird. Ich bin froh, wenn ich die damit einhergehende Verbindlichkeit endlich los bin. Zuletzt hat es an mir gezerrt. Ich hänge lieber in der Luft als an alten Gewohnheiten oder Mauern. Vielleicht bin ich ein Vagabund, vielleicht ein Träumer, vielleicht eine Heimatlose, aber egal in welche Schublade man mich steckt, ich bin frei.

Von Wasserratten, Windgöttern und Wetterpropheten


Mein Drachen steigt in die Höhe. Ich lasse ihn durch die Luft gleiten um ihn wieder einzufangen. Er ist ungezähmt und gefährlich nah am Horizont, so als ob er gleich in den Abgrund stürzt und mich mit sich zieht. Weiterlesen

Gedankenwerkstatt

In meiner Werkstatt töpfere ich einen Schrein für meine Gedanken und forme verschiedenste Skulpturen. Surreal und enorm, angsteinflössend und hässlich. Ihre Fratzen schreien, ihre Augen sind Hohlräume für Geister.
Die Werkstatt ist ein gemauertes Gefägnis ohne Türen und Fenster. Ich nehme einen Vorschlaghammer und reiße alles nieder. Die Monster sind verstummt. Alles liegt in Trümmern. Die Träume verkauft für einen Haufen Steine.

Balancieren

Tarifa: Ich balanciere auf der weißen Mauer der Brücke, die zum Strand führt. Vor meiner Nase liegt Marokko und ich verspüre einen ungeheuren Bewegungsdrang. Ich habe die letzten 25 Jahre gesessen in der Schule, in der Uni, auf Arbeit. Ich will mich bewegen, mehr denn je. Ich laufe barfuß kilometerweit den Strand entlang ohne Ziel.
Die Woche nach Thailand habe ich gebraucht um erst einmal durch zu atmen, die Mittelmeerluft zu riechen, den rauen Sand unter den Füßen zu spüren, das Rauschen der Wellen zu hören und das Salz auf meinen Lippen zu schmecken. Ich fühle absolutes Glück, grenzenlose Freiheit und Liebe. Und ich erkenne, was mir gefehlt hat. Alles ist perfekt, auch bei nur 17 Grad -rau und spröde, aber echt.
Dennoch ruft eine süße Stimme „Marokko“ und ich weiß nicht, wie lange ich ihr widerstehen kann -denn es liegt direkt vor meiner Nase ist zum Greifen nah.

Weißt du…?

Weißt du noch, als wir jung waren und das Abenteuerlied gesungen haben, weil das unsere Hymne der Freiheit war? Weißt du noch, wie wir unsere Baumhäuser im Wald gebaut haben, so wie Erwachsene ihre Häuser bauen? Weißt du noch, wie ich dir abends Kakao ans Bett gebracht habe, damit du schlafen kannst? Weißt du noch, wie wir fliegen wollten und im Bett geübt haben ein Flugzeug zu steuern? Weißt du noch wie, wir alle Quallen am Strand eingesammelt haben, um uns dann damit zu bewerfen? Weißt du noch, wie du mir hinterher ins Wasser gesprungen bist und ich dich rausziehen musste, weil du noch gar nicht schwimmen konntest? Weißt du noch, dass du mir alles nachgemacht hast, nicht weil es gut war, sondern weil du das Vertrauen in mich hattest, dass alles gut wird.

© 2018 Susy

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