SchlagwortGedankenstolpern

Far II – Auf einen letzten Tee in Zimmer Nr. 5

Es ist der 4. Mai, 7.46 Uhr. Der Korridor ist menschenleer und doch ist es laut. Das permanente Piepen wird zu einem Ton. Es erinnert mich an eine Pumpe und der Korridor, der sich langsam mit Menschen füllt, an ein Aquarium. Weiterlesen

Far I – Die Abwesenheit des Sturms

Das Meer ist still und klar, so wie mein Kopf. Ich erwarte ein Toben und Aufschäumen der Brandung, doch es bleibt aus. Ich wünsche mir, dass diese Ruhe bei mir bleibt, dass der nächste Sturm vorüberzieht und das Meer nicht auseinanderreißt. Ich wünsche mir, dass er schnell und voller Frieden von uns geht – ohne jeglichen Schmerz. Dass unser Schmerz sich um seine Abkunft schert und nicht um unser Unverständnis einander gegenüber. Ich wünsche mir, dass wir wieder zueinander finden und uns nicht entfernen, so wie er. Ich wünsche uns die Stärke, die er immer hatte, den Mut, die Dinge auszusprechen und die Geduld, die wir brauchen. Ich habe einen Ozean voller Wünsche und die meisten sind nicht für mich.

#DHMMeer

Haut

Die Wirbel in einer Reihe und den Rucksack voller Scones, trägst du dich nach Hause. Legst alles ab, auch die guten Manieren. Nur aus deiner Haut kannst du nicht.

Du vergisst dich zu bedanken, hörst auf dich zu entschuldigen, versuchst dich nicht einmal mehr zu erklären. Ich sehe mich in dir und bin doch so blind. Aber es geht nicht um mich.

Die Trauerweiden bilden einen Vorhang vor dem strahlend blauen Himmel. Es sieht aus wie ein Schwall voller Tropfen, die den Boden nicht erreichen.

Wis – Katzen im Dschungel

Chiang Mai: Für Tag 3 habe ich einen Öko- & Raftingtrip gebucht. Meine Gruppe besteht aus zwei französischen Pärchen, Wis, unserem Guide und mir. Wir starten mit einem Marktbesuch um einzukaufen, unbekanntes Essen zu probieren, das Wis uns wie eine Vogelmutter in den Mund steckt. Wis kann sich ausschließlich meinen Namen merken und so kriege ich quasi eine Sonderstellung.
Es geht zum Rafting. Die Floße sind aus Bambus und die leichten Stromschnellen lassen uns durch den Fluss gleiten. Am Rand steht der erste Elefant, gefolgt von einer Schlange die gefährlich nah an unser Floß kommt und den schwarz-violetten Schmetterlingen, die durch den Dschungel huschen. Ich bin überwältigt von der Natur und ihrer Schönheit. Ehe ich einen Teil davon fassen kann, fahren wir weiter zu einem Wasserfall an dem wir Picknicken und baden.

Im Elefanten Rescue Center sind nur wir und füttern die müde wirkenden Elefanten, die aus anderen Camps gerettet wurden. Die Elefanten drehen auf, als es mit uns in die Schlammgrube und anschließend in den Fluss geht. Ich kriege eine Elefantenumarmung, ein paar kalte Duschen und kurz darauf Bier und Tabak in gerollten, getrockneten Bananenblättern.
Ich kann mit dem Tempo in dem Erlebnisse kreiert werden kaum mithalten. Ich bin wach und fühle mich doch komatös -wie in Watte. An einem Tempel auf einem Berg kann ich kurz entspannen, die Stille genießend.

In Wis Bergdorf angekommen, kochen wir in der Hütte seiner Eltern über offenem Feuer und zelebrieren das Essen.
Der Abend klingt am See aus, wo wir eine chinesische und Laterne in den sternenklaren Himmel steigen lassen. Der Dschungel ist stockdunkel und die Grillen unglaublich laut. In meiner Bambushütte erwartet mich eine große Kakerlake, die etwas in Rage gerät, als ich sie anläuchte, also lösche ich das Licht. Ich bin zu müde um mich zu ekeln und schlafe, durch mein Moskitonetz geschützt, ein.
Die Nacht ist kurz und der Boden hart. Wir starten unsere Trekkingtour bei der Wis uns viel über die heimischen Kräuter und ihre Wirkung erzählt. Hinter jedem Aufstieg erwartet uns ein neues Panorama. Der Boden ist meist terrakotta und die Farben des Dschungels schillernd.

Es gibt keine Worte, die das Erlebte beschreiben können und ich wünschte ich könnte die stetig wachsenden Bilder in meinem Kopf auf Papier projizieren, skizzieren, was ich sehen kann.

Nach wenigen Stunden ist mein Kopf das erste mal leer und ich habe das Gefühl aufzuwachen und sehen zu können. Wir veranstalten ein Barbecue mit frischem Fisch, den wir ausnehmen, im Wald und wandern weiter zu einer Höhle mit Tropfsteinen und unzähligen Fledermäusen, die an mir vorbeifliegen. Begeistert von der Komposition, bin ich die einzig Mutige, die mit Wis den Aufstieg wagt und in das innere der nächsten Höhle klettert. Er sagt Rox, so wie der Stein, stark -und mutig. Die Tour über brauche ich keine Hand, die mir hilft und ich habe keine Angst. Es gibt Wege, die mir leicht fallen zu beschreiten und Stellen an denen ich kurz verweile, um zu überlegen welchen Schritt ich setze.
Mit wundervollen Erinnerungen im Gepäck machen wir uns auf den Weg zurück nach Chiang Mai, während im Radio „She lala“ läuft und die Franzosen mitsingen, als ob sie eine etprobte Uni-Accapellaband wären.

SHE MOVES HER BODY,MOVES HER FEET SHE FEELS THE RHYTHM LIKE IT IS HER HEARTBEAT UP AND DOWN, SHE JUMPS TO THE BEAT SHE IS LIVING IN HER FANTASY
SHE MOVES (LA,LA,LA Song)

Zurück im Hostel erwartet mich Jing, der Koreaner und will alles über die Tour wissen. Mir wird bewusst, dass ich morgen schon wieder weiter ziehe und werde ein wenig melancholisch. So schlafe ich erschöpft ein.

© 2018 Susy

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