SchlagwortGeschwisterliebe

Far II – Auf einen letzten Tee in Zimmer Nr. 5

Es ist der 4. Mai, 7.46 Uhr. Der Korridor ist menschenleer und doch ist es laut. Das permanente Piepen wird zu einem Ton. Es erinnert mich an eine Pumpe und der Korridor, der sich langsam mit Menschen füllt, an ein Aquarium. Weiterlesen

Far I – Die Abwesenheit des Sturms

Das Meer ist still und klar, so wie mein Kopf. Ich erwarte ein Toben und Aufschäumen der Brandung, doch es bleibt aus. Ich wünsche mir, dass diese Ruhe bei mir bleibt, dass der nächste Sturm vorüberzieht und das Meer nicht auseinanderreißt. Ich wünsche mir, dass er schnell und voller Frieden von uns geht – ohne jeglichen Schmerz. Dass unser Schmerz sich um seine Abkunft schert und nicht um unser Unverständnis einander gegenüber. Ich wünsche mir, dass wir wieder zueinander finden und uns nicht entfernen, so wie er. Ich wünsche uns die Stärke, die er immer hatte, den Mut, die Dinge auszusprechen und die Geduld, die wir brauchen. Ich habe einen Ozean voller Wünsche und die meisten sind nicht für mich.

#DHMMeer

Woanders 

Ende 2017: Innerhalb von einer Woche fliegen wir von Málaga nach Hamburg und Montepellier. Den Kopf über den Wolken, doch unser Geist immer noch am letzten Ort.
Wir verbringen die Feiertage mit unseren Familien in Hamburg und das neue Jahr bei Freunden in Frankreich und fühlen uns geborgen, heimisch, mit einem Gefühl der Vertrautheit und einer Spur Nostalgie. Doch ich fühle mich nicht zuhause. Mich überkommt eine bleiernde Müdigkeit ebenso wie die Frage, was ich hier überhaupt mache. Hamburg peitscht mir seinen kalten Atem ins Gesicht und ich bin nicht gewillt meine andere Wange hinzuhalten. Hamburg ist nass und grau, so wie ich es gewohnt bin und es mir ausgesucht habe. Doch nach der Euphorie der letzten drei Monate bin ich immer noch nicht satt. Es geht nicht darum nach dem mehr zu suchen, sondern einfach mal weiter zu laufen, auch wenn man müde ist, nicht zu stagnieren und die Augen offen zu halten und zu finden, was man nicht gesucht hat, das aber genau passt und irgendwie vollkommen ist.
Doch bevor ich diesen Gedanken überhaupt fassen kann, verlassen wir Hamburg auch schon wieder und begeben uns in die kalten, aber zärtlichen Hände Frankreichs und unserer Freunde.

Woanders weiß man selber wer man ist, hier wissen es die anderen. Das ist Heimat.
Film „Sommerfest“, von Sönke Wortmann, Deutschland, 2017.

Weißt du…?

Weißt du noch, als wir jung waren und das Abenteuerlied gesungen haben, weil das unsere Hymne der Freiheit war? Weißt du noch, wie wir unsere Baumhäuser im Wald gebaut haben, so wie Erwachsene ihre Häuser bauen? Weißt du noch, wie ich dir abends Kakao ans Bett gebracht habe, damit du schlafen kannst? Weißt du noch, wie wir fliegen wollten und im Bett geübt haben ein Flugzeug zu steuern? Weißt du noch wie, wir alle Quallen am Strand eingesammelt haben, um uns dann damit zu bewerfen? Weißt du noch, wie du mir hinterher ins Wasser gesprungen bist und ich dich rausziehen musste, weil du noch gar nicht schwimmen konntest? Weißt du noch, dass du mir alles nachgemacht hast, nicht weil es gut war, sondern weil du das Vertrauen in mich hattest, dass alles gut wird.

© 2018 Susy

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