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Heimathafen II

Und wir fahren nach Hause in’s Hafengebiet und singen ein trauriges Seefahrerlied über Fernweh, die Wellen und unsere Heimat am Meer. Über Liebe, den Hass und den heiligen Geist, die Möwe, die dir auf dein Autodach scheißt. Irgendwann kommen wir sicher, ganz sicher mal wieder hier her und trinken die Minibar leer.
Monsters of Liedermaching, Seefahrerlied

Hamburg: So kommen wir nach Hause um dann doch nur wieder weiter zu ziehen und gen Süden zu fliehen. Susy ist abgegeben und wartet die nächsten zwei Wochen in Málaga auf uns und ich werde leicht schwermütig bei dem Gedanken sie zurück zu lassen. Hamburg selbst scheint mir momentan wenig verlockend -kalt, grau und fremd. Überall weihnachtet es…
Die letzten Teile werden aus meiner alten Wohnung geholt, bevor sie endgültig übergeben wird. Ich bin froh, wenn ich die damit einhergehende Verbindlichkeit endlich los bin. Zuletzt hat es an mir gezerrt. Ich hänge lieber in der Luft als an alten Gewohnheiten oder Mauern. Vielleicht bin ich ein Vagabund, vielleicht ein Träumer, vielleicht eine Heimatlose, aber egal in welche Schublade man mich steckt, ich bin frei.

Balancieren

Tarifa: Ich balanciere auf der weißen Mauer der Brücke, die zum Strand führt. Vor meiner Nase liegt Marokko und ich verspüre einen ungeheuren Bewegungsdrang. Ich habe die letzten 25 Jahre gesessen in der Schule, in der Uni, auf Arbeit. Ich will mich bewegen, mehr denn je. Ich laufe barfuß kilometerweit den Strand entlang ohne Ziel.
Die Woche nach Thailand habe ich gebraucht um erst einmal durch zu atmen, die Mittelmeerluft zu riechen, den rauen Sand unter den Füßen zu spüren, das Rauschen der Wellen zu hören und das Salz auf meinen Lippen zu schmecken. Ich fühle absolutes Glück, grenzenlose Freiheit und Liebe. Und ich erkenne, was mir gefehlt hat. Alles ist perfekt, auch bei nur 17 Grad -rau und spröde, aber echt.
Dennoch ruft eine süße Stimme „Marokko“ und ich weiß nicht, wie lange ich ihr widerstehen kann -denn es liegt direkt vor meiner Nase ist zum Greifen nah.

Heimathafen I

Es liegt auf der Hand und ich hoffe Ihr wisst:
Die Heimat ist da, wo Dein Netzanschluss ist –
und Dein Bett [..] und dieses bestimmte Gefühl.
Monsters of Liedermaching, Seefahrerlied.

Mit dem Rucksack, einem leeren Magen, dehydriert und der Übelkeit der letzten Tage im Gepäck klettere ich die obere Felswand entlang, die Ton Sai und Railley verbindet. Die Ebbe hat noch nicht eingesetzt und wir müssen rüber zu unserer Fähre nach Phuket. Ich laufe einfach weiter, klettere und wate schließlich  mit meinen Turnschuhen durch das knietiefe Wasser. Ich habe mich von der Vorstellung verabschiedet, dass sie vor dem Flug irgendwann trocknen.
Ich dachte immer, ich sei bereits stark, aber ich wachse weiter und in Situationen wie diesen über mich hinaus. Unser Geist kann vieles tragen und unser Körper ertragen.
Thailand lässt mich nach 12 Stunden am Flughafen endlich gehen, doch bis Hamburg soll es 2 zwei Tage dauern, weswegen ich gleich nach Málaga fliege -voller Vorfreude sowie Aufregung, aber dreckig und erschöpft. 
Ich möchte nach Hause. Aber in Hamburg habe ich kein Bett mehr, nur noch das Schlafsofa in der sonst leeren Wohnung, den Telefon- und Internetanschluss gekündigt – ebenso die Wohnung. Die Heizung funktioniert nicht mehr und Licht gibt es auch nur noch im Flur. Ich habe Freunde und Familie in Hamburg und doch denke ich, dass meine Reise noch nicht vorbei ist -ich folge meinem Gefühl nach Málaga.

Interior Design und der Kackofant

Heute morgen wache ich auf und muss unweigerlich an das Kinderbuch „Der Kackofant“ denken. Es geht um einen Elefanten, der im ganzen Land bekannt ist…Kurz darauf denke ich an die damalige TV-Sendung „Unsere erste gemeinsame Wohnung“, die ich während des Studiums oft mit meiner Mitbewohnerin geguckt habe. Dadurch kommt eines zum anderen und mir erscheint Tine Windler, die Moderatorin vor meinem inneren Auge und beginnt Susy umzukrempeln. In meiner Wahnvorstellung dekoriert sie alles mottogetreu hawaiianisch mit Wackelfiguren und einer Mikrowelle. Zum Glück ist der Kaffee fertig und ich wache aus meinem Delirium auf. Inspiriert, drapiere ich den gepflückten Rosmarin in dem Zwiebelsieb und erfreue mich an meinem Dekor und der Tatsache, dass alles so bleibt wie es ist – zumindest in Susy.

© 2018 Susy

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