SchlagwortIllusion

Gedankenwerkstatt

In meiner Werkstatt töpfere ich einen Schrein für meine Gedanken und forme verschiedenste Skulpturen. Surreal und enorm, angsteinflössend und hässlich. Ihre Fratzen schreien, ihre Augen sind Hohlräume für Geister.
Die Werkstatt ist ein gemauertes Gefägnis ohne Türen und Fenster. Ich nehme einen Vorschlaghammer und reiße alles nieder. Die Monster sind verstummt. Alles liegt in Trümmern. Die Träume verkauft für einen Haufen Steine.

Michael

Pai: Jing umarmt mich zum Abschied und trägt meinen Rucksack in den Minivan nach Pai. 1800 Serpentinen später und im Regen komme ich an. Ich folge einem Mädchen aus dem Minivan in ihr Hostel und werde freundlich in die Gruppe aufgenommen, die ausschließlich aus Backpackern besteht, die Pai nicht mehr verlassen haben. Fast alle sind jünger als ich und sie schätzen mich auch auf Anfang/Mitte 20. Sie fragen, ob das Alter eine Rolle für mich spielt und ich weiß es nicht. Bisher habe ich nie darüber nachgedacht. 
Sie machen es mir leicht dazu zu kommen und dennoch bin ich zu wenig Chameleon. Sie erzählen von ihren Partys und Drogentrips, während der Joint so selbstverständlich rumgeht. Ich verstehe es nicht. Ich verstehe nicht, warum sie sich berauschen müssen um facettenreicher sehen zu können. Mein Kopf ist voll mit Bildern und Emotionen. Das vermeintliche Hippiedorf ist kreiert aus den Illusionen der Menschen hier. Und auch wenn ich anfangs dachte Teil einer Gruppe zu sein, bin ich es nicht. Ich bin wieder der Alien, der mehr will als das. Nur wenige Begegnungen hier berühren mich. Sie sind rar, aber es gibt sie, die Menschen, die mich halten und sich kümmern -wenigstens für den Moment und die Zeit in Pai. 
Ich treffe auf Michael aus Schweden, der seinen 40. Geburtstag mit mir verbringt. Abseits vom Trubel und den Touristen zeigt er mir das Pai, das er in den letzten 6 Monaten für sich erschlossen hat. Es ist anders als das Bild, das ich für mich in meinem Kopf gezeichnet habe. Pai schläft nicht und dabei macht es mich so müde. Aber ich komme nicht zur Ruhe. Alisha und Kevin helfen mir ein wenig dabei und nach 5 Tagen verstehe ich endlich was diesen Ort für alle so magisch macht. Es sind die Begegnungen mit Menschen und ihre Geschichten.
Der Gefühlskater der letzten Tage hat sich zurückgezogen. Mein Schädel pocht, aber es geht mir gut. Das erste mal verlasse ich einen Ort nicht wehmütig, sondern euphorisch.
Danke Michael, Alisha, Kevin und Adrian, dank euch kann ich besser sehen. Und auch allen anderen bin ich dankbar, weil ich jetzt weiß, was ich brauche und was nicht.

It takes a fool to remain sane.
The Ark


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