Schlagwortleben

Halfway

Vorwort

Halfway bedeutet “Halbwegs” oder auch “auf halbem Weg” und ist der Titel eines Artikels von Karsten Buckstegge. Ich habe den Gedanken in letzter Zeit oft zitiert, wenn ich mit Leuten über das Thema Nachhaltigkeit gesprochen habe. Aus diesem Grund habe ich Karsten gefragt, ob ich eine Übersetzung anfertigen kann und diese hier im Blog posten darf.

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Far I – Die Abwesenheit des Sturms

Das Meer ist still und klar, so wie mein Kopf. Ich erwarte ein Toben und Aufschäumen der Brandung, doch es bleibt aus. Ich wünsche mir, dass diese Ruhe bei mir bleibt, dass der nächste Sturm vorüberzieht und das Meer nicht auseinanderreißt. Ich wünsche mir, dass er schnell und voller Frieden von uns geht – ohne jeglichen Schmerz. Dass unser Schmerz sich um seine Abkunft schert und nicht um unser Unverständnis einander gegenüber. Ich wünsche mir, dass wir wieder zueinander finden und uns nicht entfernen, so wie er. Ich wünsche uns die Stärke, die er immer hatte, den Mut, die Dinge auszusprechen und die Geduld, die wir brauchen. Ich habe einen Ozean voller Wünsche und die meisten sind nicht für mich.

#DHMMeer

Zwischen Alltag und Fernweh oder die zickende Tightbombe

Wir sind wieder in Hamburg angekommen und doch irgendwie nicht. Ich war nicht bereit wiederzukommen, weil ich dachte einen Haufen Mess hier gelassen zu haben. Doch mich hat keiner gefragt, ob ich wiederkommen möchte. Es ist der Moment in dem du den Anruf kriegst, von dem du wusstest, dass er früher oder später kommt. Und du funktionierst, fährst los und hinterfragst nichts. Weiterlesen

Manchmal

Manchmal wünsche ich mir, dass du mir den Strand entlang hinterherkommst. Manchmal wünsche ich mir, dass du wieder mehr Musik machst. Manchmal wünsche ich mir, dass wir barfuß im Regen tanzen. Manchmal wünsche ich mir, dass wir uns nachts die Sterne anschauen und nicht auf das nächste Mal warten, weil wir zu müde sind. Manchmal wünsche ich mir, dass wir weniger auf morgen schieben und weniger an gestern denken. Manchmal wünsche ich mir mehr Bewusstsein für diese Momente und mehr Elan um dich mitzureißen. Und häufig ist alles einfach gut, genau so wie es ist.

Weißt du…?

Weißt du noch, als wir jung waren und das Abenteuerlied gesungen haben, weil das unsere Hymne der Freiheit war? Weißt du noch, wie wir unsere Baumhäuser im Wald gebaut haben, so wie Erwachsene ihre Häuser bauen? Weißt du noch, wie ich dir abends Kakao ans Bett gebracht habe, damit du schlafen kannst? Weißt du noch, wie wir fliegen wollten und im Bett geübt haben ein Flugzeug zu steuern? Weißt du noch wie, wir alle Quallen am Strand eingesammelt haben, um uns dann damit zu bewerfen? Weißt du noch, wie du mir hinterher ins Wasser gesprungen bist und ich dich rausziehen musste, weil du noch gar nicht schwimmen konntest? Weißt du noch, dass du mir alles nachgemacht hast, nicht weil es gut war, sondern weil du das Vertrauen in mich hattest, dass alles gut wird.

Begegnungen 

Wie vielen Menschen kann man in vier Wochen begegnen? Wie viele Menschen kann man in der Zeit kennen lernen? Wie viele lieben lernen? Und wie viel bleibt davon übrig?

Bonnie und Clyde in Chiang Mai 

Chiang Mai: Ich sitze im Roxpresso und freue mich über den wunderbaren Muffin und Cappuccino, der so liebevoll angerichtet ist, dass ich ihn kaum trinken mag. 

Ich befinde mich in Chiang Mai in Nähe der Kunstuni, inmitten unzähliger Gallerien und damit in meinem persönlichen Paradies. Nur mein Hostel ist eine Hochburg für Koreaner, die bisher wenig sozial sind. Und tatsächlich bin ich hier kein Alien, sondern nur einer der unzähligen Touristen. Es fällt schwer mit jemandem etwas länger zu sprechen, da alle immer irgendwo hin unterwegs sind. 

So dann auch ich. Ich laufe über den Samstagsmarkt und dann haben sie mich in ihrer Touristenfalle. Ich kann dem bunten Leuchten nicht widerstehen und verfalle in einen kurzen Shoppingrausch und ersteigere mein erstes Gut, eine Haremshose. Doch nach kurzer Zeit strengen mich die Menschenmassen an und ich flüchte zurück, da ich für meinen Kochkurs am darauffolgenden Tag fit sein muss.
Die Koreaner sind immer noch wenig an mir interessiert und auf der Suche nach etwas Heimatgefühl lande ich in einem Bistro, wo amerikanische Weihnachtsmusik läuft und Benedict Eggs serviert werden. Beim rausstolpern frage ich dreist einen Amerikaner, ob er zufällig Lust hat mich mit seinem Moped in Richtung Hostel mitzunehmen und das macht er.
Mein Kochkurs macht Spaß und ich bin froh über etwas soziale Interaktion. Es gibt viele Geachichten, die jeder erzählen kann, aber vor allem die von Bonnie aus Australien fasziniert mich und so stehlen wir uns durch die Nacht, spazieren über den Nachtmarkt und trinken Bier.

Bonnie ist 34, Krankenschwester, reisebegeistert und -erprobt. Morgen reist sie wieder nach Bangkok, um ihrer Freundin im Krankenhaus bei zu stehen. Und genau das beschreibt sie so gut, sie steht anderen bei und ist eine Bereicherung für jeden, der sie kennen lernen darf. Bonnie geht wie ich andere Wege und ist authentisch. Sie erklärt mir wie lange sie gebraucht hat, sich so zu akzeptieren wie sie ist und sich nicht mit ihren Freunden, die verheiratet sind und Kinder haben zu vergleichen. Und sie schätzt es, dass ich das bereits habe und mein Leben lebe. Sie sagt, es sei meine positive Energie oder Aura, die einige Menschen spüren, die mich unter den Aliens herausstechen lässt. Vielleicht.
Berauscht von diesem Abend und Bonnies Worten mache ich mich auf den Heimweg und werde zu meiner Überraschung von Jing, einem der Koreaner auf einen Schlummertrunk eingeladen. Ich nehme ihn dankend an und falle anschließend müde und glücklich ins Bett.

Hi my lovely! It’s Bonnie from cooking school! Is this you? 
If so had a sehr gut time cooking and beer getrunken mit du….
You’re such a honest real soul living out your life authenticity and that’s such a rare and beautiful thing. 
Much love, enjoy your travels ❤️
Bonnie

Gefühlskater 

Der Gefühlskater hat mich fest im Griff. Es ist das turbulente Chaos zwischen Euphorie, Glück, Sehnsucht, Erschöpfung und Unsicherheit. Meine Neugier treibt mich. Ich suche bewusst nichts und vieles findet mich. Vielleicht spüren die Menschen hier meine Unsicherheit und Erschöpfung oder die Energie und Neugier, das aufrichtige Interesse an ihrer Kultur und den Respekt, den ich versuche zeigen. Ich weiß es nicht. Inzwischen würde ich sagen, dass ich weniger ein Alien bin als vielleicht ein Chamäleon. Oder eine Katze, denn bei Nacht sind alle Katzen grau.

Freischwimmer 

Ich liege seit 6 Uhr wach, habe 4 Stunden geschlafen und frage mich wie lange so ein Jetlag eigentlich dauert. Geduld ist ja nicht so meine Stärke…Zwei Stunden später sitze ich in einem Café und trinke meinen ersten Latte Macchiato seit Tagen – vielleicht bringt der mich nach vorn. Vivi, meine Gastgeberin hat mich gestern so sehr mit Informationen erschlagen, dass ich jetzt noch weniger weiß wo ich als nächstes hinmöchte. Freischwimmen muss man wohl auch erst einmal lernen.

Alien 

Planlos laufe ich durch die Gegend und lande beim Golden Mountain. Es ist 20 Uhr, menschenleer und wärmetechnisch zu ertragen. So langsam gefällt es mir die Stadt eher bei Nacht zu erkunden. 
Ich steige die 344 Stufen hinauf und empfinde einfach alles als erträumt und surreal, wie in einem Bild von Dali. Von weitem höre Möchsgesang und verliere mich kurz darin. Bis nach ganz oben komme ich nicht mehr, da mir die entgegenkommenden Mönche den Weg abschneiden.

Auf dem Rückweg verlaufe ich mich ins Hazel’s, wo ich mit Livemusik, wie von Bob Dylan und Bier geködert werde und bin froh darüber. Die Band ist erstaunlich gut (nach den ganzen schlechten von gestern, somit eine Rarität) und erinnert mich etwas an Oasis. Und obwohl ich nichts verstehe, fühlt es sich ein bisschen nach Heimat an und ankommen. Ich lass mich fallen und versinke in der Musik. Zum ersten Mal sind Worte egal.

Und dann bin ich mittendrin, nur unter Einheimischen und Musikern. Jeder kennt jeden dort und alle sind angeblich sehr bekannte Musiker in Thailand, wie mir erzählt wird. Ich fühle mich kurz wie ein Alien dort, als einzige Touristin dort, aber ihre Freundlichkeit macht es mir leicht. Wir tanzen noch ein bisschen bevor ich mich auf den Heimweg begebe und dort von meinen Gastgebern auf das nächste Bier eingeladen werde inklusive Empfehlungen für meine weitere Reise. Sie gestehen mir auch, dass sie sich letzte Nacht Sorgen gemacht haben. Ich bin fast gerührt und verlängere noch eine Nacht hier – auf dem fremden Planeten.

© 2018 Susy

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