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Far III – 9 Knoten

100 Schritte, 9 Knoten und mit einer Hand voll Sand geben wir dich in die Wogen des Meeres…

Die Wellen sind hoch und lassen das Schiff schaukeln. Der Wind ist wieder da und lässt mein Kleid tanzen. In der Ferne sehen wir die Brandung schäumen. Wir stehen geschlossen am Buck. Du stehst an der Reling. Wir sind hier wegen dir. Noch einmal zusammengekommen. Streuen Blumen und Bier auf dein Haupt und warten bis das Schiff sich dreht. Mit Wehmut sehen wir dir nach.

Schiffsleuchten leuchten uns umsonst.
Im Nebel ein Kegel aus Licht.
Da ist kein Ziel, kein Horizont.
Kein anderes Segel in Sicht.
Die Mannschaft an Bord –
Atmet müde und schwer.
Keiner sagt ein Wort.
Um uns wütet das Meer.
Wir steuern in Richtung unbekannt.
Doch wir sehen kein Land.
Wo gestern noch ein Licht war,
Ist heut kein Licht mehr sichtbar –
Ist unser Leuchtturm ausgebrannt.

Jennifer Rostock, Leuchtturm 

Und dann legen an in der Kieler Förde. Mit deinen Werten im Gepäck, aber ohne Dich.

Auf bald – wir denken an dich.

Far II – Auf einen letzten Tee in Zimmer Nr. 5

Es ist der 4. Mai, 7.46 Uhr. Der Korridor ist menschenleer und doch ist es laut. Das permanente Piepen wird zu einem Ton. Es erinnert mich an eine Pumpe und der Korridor, der sich langsam mit Menschen füllt, an ein Aquarium. Weiterlesen

Ariels letzten Tage 

Die letzten Tage bin ich von Pai Richtung Süden gereist, was schlaucht. Ich habe drei Stunden geschlafen und sitze im Minivan. Mein Schädel pocht. Aber es geht mir gut. Das erste mal verlasse ich einen Ort nicht wehmütig, sondern euphorisch. Der Gefühlskater der letzten Tage hat sich zurückgezogen. Nach der gestrigen Hikingtour mit der Gruppe zum Wasserfall in Pai ist mein Kopf endlich frei und ich fühle mich leicht.
Ich komme im Regen in Krabi an und realisiere, dass hier noch Monsun herrscht. Kurzzeitig wünsche ich mich in das sonnige Pai zurück und flüchte weiter Richtung Ao Nang und dann nach Railley.
Der Wind zerzaust mein Haar und das warme Salzwasser spritzt in das Longtailboot. Wir steuern auf Railley zu. Das Türkis des Wassers und die grünen Klippen ziehen mich in ihren Bann und lassen mich kurzzeitig alles vergessen -auch, dass es nur noch 4 Tage in Thailand sind.
Die unzähligen, kleinen, hellen Krebse verziehen sich in ihre Löcher im Sand, die aussehen wie Ornamente. Sie überziehen den gesamten Strand, genauso wie Touristen aus den Ressorts. Ebbe und Flut wechseln sich ab.

Shells und Kevin, die ich in Pai kennen gelernt habe, folgen mir nach Railley und dann nach Ton Sai zum Klettern. Doch wie so oft, macht uns der Regen einen Strich durch die Rechnung. So gehen wir nachts bei Regen im warmen Meer schwimmen und sie nennen mich Ariel. Mir hat das Meer im Norden gefehlt, aber nun fehlen mir die Sterne am Himmel und das Alleinsein.
Wir fahren zu dritt in einem Kajak, teilen uns ein Bett in einer Bambushütte, eine Flasche Rum und die erste Lebensmittelvergiftung. Meine letzten Tage verbringe ich mit Übelkeit, Schüttelfrost und zum ersten Mal in meinem Leben mit Heimweh im Bett.
Dieser Ort hier fordert mich und ich denke es wird Zeit nach Hause zu kommen, denn inzwischen bin ich unglaublich müde.

Minus 3 Grad 

Wir sitzen am Meer und rauchen. Es  sind drei Grad minus – du frierst und ich brenne. Der Wind lässt das Meer toben, in mir, jetzt, hier, bei dir.
Wir atmen die kalte Luft, sie schmeckt nach Salz. Du an den Felsen. Die Angst mich zu verlieren- in diesem einen Augenblick, in dir, in mir, wegen dir bei mir.

© 2018 Susy

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